Blicke im Kindergarten

Wenn ich die Kids vom Kindergarten abhole, komme ich in der Regel direkt von der Arbeit und stecke also noch in Kostüm oder Hosenanzug. Und da unser Kindergarten ja noch von der alten Schule ist, sprich Öffnungszeiten bis mittags bzw. an den beiden langen Tagen mit Mittagspause, wird dieses Betreuungsmodell in erster Linie von Familien gewählt, bei denen zumindest ein Elternteil wenig oder gar nicht arbeitet.

Wenn ich also im Business-Outfit in den Kindergarten hetze, komme ich mir manchmal vor wie vom anderen Stern. Wenn die anderen Mütter gemütlich im Alltagsoutfit eintrudeln, das Mittagessen köchelt schon zu Hause auf dem Herd und der Haushalt ist picobello… begegne ich ganz unterschiedlichen Blicken. Die einen nach dem Motto „wie-kann-man-nur-soviel-arbeiten-wenn-man-Kinder-in-die-Welt-gesetzt-hat?“ und die anderen  nach dem Motto „wow-wie-schafft-die-das-nur-neben-Kindern-und“-Haushalt?“.

Und genau diese Gedanken gehen mir auch durch den Kopf. Schadet es meinen Kindern, wenn sie dreimal die Woche Pestonudeln bekommen und die Mama zu Hause erstmal die Wäsche machen muss, statt mit ihnen ein Spiel zu spielen? Wenn ich mit den Gedanken noch in der letzten Besprechung bin und als erstes zu Hause den Laptop aufklappe?
Andererseits bin ich auch echt stolz auf mich, wie ich das hin bekomme! Dass ich morgens früh ins Büro düse, dort wichtige Entscheidungen treffe, Projekte bearbeite, mit meiner Arbeit zum Erfolg eines Unternehmens beitrage… und nachmittags  die Kinder betreue und erziehe, den Haushalt schmeiße und mich in Selbstmanagement übe… Dass ich mein eigenes Geld verdiene, zum Haushaltseinkommen beitrage und in meine Rentenkasse einzahle. Und dass ich stetig meinen Horizont erweitere, mich intellektuell weiterentwickle und so auch für meine Kindern eine Mutter bin, die eben mehrere Rollen spielt. Und für sie ist es mittlerweile normal, dass ich eben nicht immer für sie da sein kann.

Trotzdem beneide ich oft die klassische Hausfrau und Mutter. Besonders an Tagen, an denen es mir eben nicht so gut gelingt, allen meinen Rollen gerecht zu werden. An denen mir die Arbeit nicht so viel Spaß macht, sich die Wäsche häuft und mir meine Kinder ganz deutlich klar machen, dass sie gerne mehr meiner Zeit hätten: „Mama, warum musst du immer so viel arbeiten?“ oder „Mama, wann kommst du endlich wieder nach Hause?“. Da wünschte ich mir manchmal, eine andere Entscheidung getroffen zu haben.
Aber wie gesagt, nur manchmal. In den allermeisten Fällen finde ich, dass meine Entscheidung genau die Richtige war. Auch wenn es oft zur Zerreißprobe wird. Aber ich mag alle meine Rollen total gerne!

Herzlichst,
Eure Andrea

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