„Ich kann nicht kommen, mein Kind ist krank…“

Wenn morgens die Sonne aufgeht, haben berufstätige Eltern oft schon die erste Zerreißprobe hinter sich… Wenn ein Kind krank ist, ist es für alle Eltern anstrengend. Besonders wenn die Nächte unruhig sind und man sich schon mental auf einen völlig übermüdeten Tag einstellt.

Wenn dann aber klar ist, dass das Kind morgens nicht in die Kita gehen kann, man selbst aber wichtige Termin hat, die (vermeintlich) nicht aufzuschieben sind, überlegt man sich schon in der Nacht – das inhalierende Kind auf dem Schoss – wie man aus dieser Zwickmühle bloß rauskommt…
Ist es vielleicht am Morgen schon wieder besser? Und wenn nicht, kann man schon wieder die Oma bemühen? Ab wann kann man anrufen, damit sie nicht zu nachtschlafender Zeit aus den Federn geholt wird?
Oder die Kinderfrau? Aber wie wird sie es finden, sich den ganzen Vormittag mit einem fiebernden, hustenden Kind zu beschäftigen.

Ist das Kind vielleicht so krank, dass eben nur Mama oder Papa es trösten kann? Oder sogar mit ihm zum Arzt gehen muss?

So liegt man nachts wach, das Kind ist mittlerweile wieder in einen unruhigen Schlaf gefallen, und man selbst grübelt noch, was die beste Lösung ist.
Was macht es für einen Eindruck, wenn man dem Chef schon wieder sagen muss, dass man nicht kommen kann, weil das Kind krank ist?

Spätestens an dieser Stelle meldet sich bei mir das schlechte Gewissen. Einerseits natürlich dem Kind gegenüber, das einen ganz besonders braucht, wenn es krank ist. Und eigentlich sollte ich doch alles stehen und liegen lassen, und einfach nur für mein Kind da sein.
Aber so einfach ist das eben nicht immer. Denn gleichzeitig meldet sich das schlechte Gewissen den Kollegen gegenüber, die man nicht hängen lassen möchte. Denn manchmal gibt es Dinge, die kann man nur selbst machen und auch nur sofort, denn sonst geht es an einer bestimmten Stelle einfach nicht weiter.

So erging es mir heute. Es ist der erste Tag eines neuen Praktikanten in unserer Abteilung. Und sein Laptop liegt gut verwahrt in meinem Schrank, für den nur ich den Schlüssel habe. Und mein Sohn hustet und hustet und hustet… die ganze Nacht. An Kindergarten ist nicht zu denken. Was macht es denn für einen Eindruck, wenn der Praktikant an seinem ersten Tag im neuen Job keinen Laptop hat, um zu starten? Weil ich nicht kommen kann, weil ich bei meinem kranken Kind zu Hause bleiben muss.
Ich lag also heute Nacht neben meinem hustenden Kind und bin in Gedanken alle Möglichkeiten durchgegangen, die mir zur Verfügung stehen. Letztendlich hatte ich diesmal Glück im Unglück, denn heute Morgen ist der Papa auch mit einer dicken Erkältung aufgewacht und bleibt zu Hause. Diese Option ist mir in der Nacht gar nicht eingefallen… ;o)

Als Eltern wird man immer wieder in dieser Zwickmühle stecken und jedes Mal aufs Neue versucht man, die beste Lösung zu finden. Ich habe das große Glück, dass ich auch vom Home Office arbeiten kann, so kann ich zumindest die wichtigsten Dinge erledigen, wenn das Kind gerade nicht die volle Aufmerksamkeit braucht.

Rechtlich haben Eltern aber auch ein Anrecht auf Freistellung.
Jedem Arbeitnehmer stehen 10 Tage pro Jahr zur Verfügung, die man sich freistellen lassen kann, wenn das Kind unter 12 Jahre alt ist. Und zwar jedes Elternteil. Bei mehr als zwei Kindern besteht Anspruch auf maximal 25 Tage. Für Alleinerziehende gelten jeweils doppelt so viele Tage, ­also pro Kind und Jahr 20 Tage bzw. bei mehreren Kindern 50 Tage.

Ich kann hier aus zwei Perspektiven sprechen. Einerseits aus der Perspektive der Mutter, die das schlechte Gewissen plagt und die neben den ganz normalen Herausforderungen, die mich schon im Alltag beschäftigen, eben auch manchmal vor dieser besonderen Zerreißprobe steht.
Und andererseits aus der Perspektive der Vorgesetzten, die Mütter mit kleinen Kindern in ihrem Team hat, die eben krank werden, wie Kinder das nun mal tun.
Und aus beiden Perspektiven kann ich nur sagen, macht euch nicht unnötigen Stress oder unnötige Sorgen (Ich weiß, das ist oft leichter gesagt als getan). Wenn das Kind krank ist, geht das vor. Dann bleibt Mama oder Papa beim Kind. Und wenn es eine Möglichkeit der Betreuung für das kranke Kind gibt und man trotzdem arbeiten gehen kann, prima! Wofür haben wir unser Netzwerk?
Und aus der Perspektive der Führungskraft kann ich euch sagen, dass es in der Regel kein Problem ist. Und wenn doch, dann ist es Aufgabe der Führungskraft, dieses Problem zu lösen. Dass Mitarbeiter ausfallen, ist doch ganz normal. Kinder werden krank und Mamas und Papas müssen für ihre Kinder da sein. Punkt. Der Chef, der damit ein Problem hat, hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

Herzlichst,
Eure Andrea

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2 Kommentare zu „„Ich kann nicht kommen, mein Kind ist krank…“

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