Die stückweise Rückeroberung des „alten Lebens“…

Eines der Dinge, auf die ich mich am meisten gefreut habe, als ich nach der Babypause wieder angefangen habe zu arbeite, war das Outfit. Endlich durfte ich mich wieder ganz offiziell rausputzen für meinen Job. Raus aus den Spielplatz-Klamotten, rein in schicke Hose, Bluse, Blazer und Pumps. Gerne auch mal in weiß, was man sich ja mit Kindern nicht mehr traut.

Man schaut also in den Kleiderschrank und probiert, welche Teile einem noch passen (und auch noch gefallen… ). 14 Monate nach der Geburt hatte ich glücklicherweise mein altes Gewicht nahezu wieder erreicht, aber irgendwie haben sich die Proportionen verändert. Durch die ganze Kinderschlepperei habe ich wohl breitere Schultern bekommen, mit der Konsequenz, dass mir keiner meiner Blazer mehr gepasst hat. Viel zu eng an den Schultern. Außerdem ist mein Becken breiter geworden. Komisch… Also kneifen jetzt alle meine Stoffhosen.

Zeit also, mal wieder shoppen zu gehen! Zumindest eine erste Grundausstattung muss her. [Kalkuliert man diese Kosten eigentlich in die Summe, die einem Kinder kosten, mit ein???]

Auch eine morgendliche Routine – die zwar stressiger ist als morgens in Ruhe mit dem Baby zu frühstücken – hat mir richtig gut getan. Wann hatte ich mir zuletzt mal einen Wecker gestellt? Ich brauch sowas, um meinen Tag vernünftig zu starten. Dann bekomme ich den richtigen Drive. Somit hatte das Wochenende auch wieder eine ganz andere Bedeutung!

Ich mag es auch, mich für den Job zu schminken. Ich habe zwar immer ein bisschen Mascara drauf, aber für den Job gebe ich mir doch mehr Mühe. Auch hier habe ich mir ein paar Dinge gegönnt. Oder mal wieder eine Kette oder ein Armband anzuziehen, das einem nicht gleich wieder vom Hals geschnappt wird, war ein weiterer kleiner Meilenstein.

So erobert man sich Stück für Stück Bereiche seines „alten Lebens“ wieder zurück.
Ziel war es, dass wenn man dann als Working Mum das Büro betritt, Laien auf den ersten Blick nicht erkennnen können, ob man Mama ist oder nicht.

Hier aber 5 untrügliche Hinweise, an denen Insider eine Working Mum trotzdem erkennen:

  1. Das Handy ist immer in Reichweite und wird regelmäßig auf Nachrichten von der Kita gecheckt.
  2. Dauert eine mittägliche Besprechung etwas länger, wird frau leicht panisch, weil sie nicht zu spät beim Kindergarten ankommen will, das aber nicht sagen möchte [„Mütter im Job sind ja so unflexibel!“].
  3. Die Nachmittage im Kalender sind geblockt.
  4. Rund ums Knie finden sich Brei-Reste an der Hose. [Merke:  Ab sofort vor Verlassen des Hauses checken, ob nicht doch noch Nutellafinger die Bluse versaut haben, oder das Baby einem über die Schulter gespuckt hat.]
  5. Und der untrüglichste Grund: sie schafft in 20 Stunden so viel wie ihre Vollzeit-Kollegen…

 

Den Vergleich „Arbeiten vor den Kindern“ zu „Arbeiten, wenn Kinder da sind“ können meines Erachtens tatsächlich nur berufstätige Mütter nachvollziehen. Auch wenn sich an der Arbeit selbst nichts verändert hat, ist es doch anders:

  • Man hat die Gedanken immer wieder bei den Kindern: Geht es ihnen auch gut? Fehlt es ihnen an nichts?
  • Nach einer Babypause geht man mit einer völlig anderen Motivation an die Arbeit. Insbesondere wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen ist, so wie mir.
  • In der Regel hat man seine Stunden reduziert und findet sich in der Rolle einer Teilzeit-Mami wieder. Und muss mit allen damit verbundenen Vorurteilen rechnen.
  • Früher ist man nur zu Hause geblieben, wenn man selbst krank war. Heute muss man auch zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist oder die Kita streikt. Da bleibt ein schlechtes Gewissen gegenüber Vorgesetzten und Kollegen nicht aus.
  • Der Arbeitstag endet pünktlich, um die Kinder aus der Kita abzuholen. Früher konnte man problemlos auch mal länger bleiben, wenn ein Termin anstand oder etwas fertiggemacht werden musste.
  • Man hofft jeden Tag, dass die Kita nicht anruft, weil das Kind krank ist.
  • Und: man fühlt sich stolz, dass man trotz Kindern sein eigenes Geld verdient, im Job „seinen Mann steht“ und diese Doppelbelastung irgendwie meistert.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende ;o)

Herzlichst,
Eure Andrea

 

 

 

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4 Kommentare zu „Die stückweise Rückeroberung des „alten Lebens“…

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