Aufräumen, jetzt, sofort!

Eines unserer Top-Streit-Themen ist das Aufräumen. Seien es die Kinderzimmer, das Spielzeug im Wohnzimmer, der Fuhrpark vor der Tür, die Schuhe im Hausflur, die Bastelsachen am Küchentisch… irgendetwas gibt es bei uns immer aufzuräumen. Und ganz oft gibt es darüber auch Streit. Ich möchte, dass sofort aufgeräumt wird. Den Kindern fällt natürlich immer ein unglaublich wichtiger Grund ein, warum sie gerade jetzt nicht aufräumen können. Und versprechen mir, dass sie sofort aufräumen, wenn sie das aktuelle Spiel beendet haben. Was sie dann natürlich auch noch aufräumen werden. Indianer-Ehrenwort.

Letztlich rede ich mir immer wieder den Mund fusselig. Und wenn ich die Nase voll habe, räume ich schließlich doch selbst auf. Und ärgere mich dann wiederum über meine Inkonsequenz.

Aber was kann man von Kindern im Kindergartenalter eigentlich erwarten in Sachen Aufräumen? Ein Spiel wieder in die Box zu tun, dürfte nicht zu viel verlangt sein. Auch die Puppensachen in die Puppenkiste zu tun, müsste machbar sein. Aber die vielen Legosteine, die auf dem Boden verstreut liegen wieder in die vielen Kisten zu sortieren, ist schon eine Herausforderung. Oder das Chaos, das nach dem Spielnachmittag mit einer Freundin im Kinderzimmer herrscht: alle Verkleidungssachen liegen auf dem Boden, dazwischen die ausgekippten Haargummis, ein Puzzle (nicht gepuzzelt versteht sich) und die Barbies samt dazugehöriger Klamotten? Was sollten sie schon alleine schaffen, und ab wann brauchen sie Hilfe von uns Erwachsenen?

Manchmal verkündet meine Vierjährige stolz, sie hätte ihr Zimmer ganz alleine aufgeräumt. Und auf dem ersten Blick sieht das auch so aus: der Boden ist frei, die Kisten ordentlich in den Regalen und die Puppen schlafen liebevoll zugedeckt im Puppenbett. Ein Blick in die Kisten oder hinter die Tür zeigt aber, dass das oberflächliche Chaos zwar beseitigt ist, das Chaos in den Kisten und Ecken aber umso größer geworden ist.

Je nach meinem Geduldslevel setze ich mich dann mit ihr hin, und wir sortieren in Ruhe alles in die richtigen Kisten. Denn sie soll ja lernen, dass Aufräumen weiter geht, als nur einen Weg von der Tür zum Bett zu schaffen. Dass jedes Teil einen Platz hat, an das es hingehört. Zumindest in unserer Erwachsenenwelt.

Wir versuchen immer wieder klare Aufräumregeln festzulegen, die aber immer wieder sowohl von uns als auch von den Kindern sehr großzügig interpretiert werden.

  • Vor dem Schlafengehen wird das Kinderzimmer (zumindest grob) aufgeräumt
  • Mühevoll aufgebaute Werke dürfen auch ein paar Tage stehen bleiben
  • Spiele werden direkt nach dem Spielen wieder eingeräumt
  • Jedes Spielzeug hat eine eindeutig zugeordnete Kiste, Schublade oder einen Regalplatz, wohin es spätestens abends wieder eingeräumt wird
  • Wenn das Chaos zu groß ist, helfen Mama oder Papa, aber nur wenn das Kind selbst auch mithilft.
  • Wenn Freunde zu Besuch sind, wird am Schluss gemeinsam aufgeräumt.

Nachdem die Aufräum-Konsequenz in den letzten Wochen etwas nachgelassen hatte, hat mich gestern die große Aufräumwut gepackt. Vormittags sind wir noch kurz zum IKEA gedüst, um noch fehlende Kisten zu besorgen. Nachmittags habe ich dann mal wieder gründlich jede Ecke, jede Kiste, jedes Regal aufgeräumt (und ein Menge Dinge auch heimlich ausgemistet). In beiden Kinderzimmern. Drei Stunden hat es gedauert! Und sauber war es danach auch wieder in jeder Ecke.
Die Kinder haben immer mal wieder reingeschaut, mich aber weitestgehend walten lassen.

Hinterher war ich ziemlich erschöpft, aber sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Und als die Kinder ihre picobello aufgeräumten Zimmer betreten haben, waren sie sichtlich zufrieden!
Genau das war mein Ziel: sie sollen sehen, wie schön es ist, in aufgeräumten Zimmern zu spielen, in denen alles an seinem Platz ist und man nichts suchen muss!

Die ganze Perfektion hielt genau eine Viertelstunde.

Dann war von meiner schönen Ordnung nichts mehr zu sehen. Aber immerhin wusste ich, dass jetzt wieder eine gewissen Grundordnung und -sauberkeit wiederhergestellt war. Vielleicht ist bei den Kindern ja im Unterbewusstsein was hängen geblieben. Und beim nächsten Aufräumen läuft es klein bisschen besser…

Von Freunden mit größeren Kindern habe ich allerdings erfahren, dass das Thema Aufräumen mich wohl noch die nächsten Jahre begleiten wird. Und dass es auch immer wieder zu Streitereien führen wird. Na prima!

Vielleicht reicht es ja auch, einfach mal die Tür zuzumachen. Dann sehe immerhin ich das Chaos nicht…

In diesem Sinne,
herzlichst,
Eure Andrea

 

 

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2 Kommentare zu „Aufräumen, jetzt, sofort!

    1. Da hast du absolut Recht! Wenn man auf der einen Seite gerade fertig geworden ist, kann man auf der anderen Seite schon wieder anfangen… Aber das wird uns sicher begleiten, solange Kinder im Haus sind. Und ich bin mir sicher: wenn sie ausgezogen sind, wird es uns fehlen ;o)

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