Kinder und ihre Finanzen…

Irgendwann fängt es an, dass die Kinder ihr eigenes Geld haben. Taschengeld gibt es bei uns noch nicht, aber es hat sich eben mal ergeben, dass sie zu Geld gekommen sind. Also haben wir Spardosen angeschafft. Ein rosafarbendes Sparschwein mit gelben Blumen und einen Sparhai.

Wir haben vor ein paar Monaten unsere gesamten Duplo-Steine und -Fahrzeuge verkauft. Den Erlös haben wir den Kindern jeweils zur Hälfte in ihre Spardosen getan.

Das Experiment nahm also seinen Lauf. Zuerst durfte sich jeder etwas im Spielzeugladen kaufen. War natürlich der Hit, so ganz außer der Reihe. Und bezahlen durfte natürlich jeder selbst. Man muss ja lernen, dass man der Kassiererin Geld gibt, dafür etwas bekommt und das eigene Geld entsprechend weniger wird.

Der Rest landete in den Spardosen. Und da ruhte er erstmal eine Weile ohne größere Beachtung.

Einige Zeit später kam mein Sohn aus dem Kindergarten und hatte eine unglaublich wichtigen Wunsch. Sein Kumpel hat so ein Lego Ninjago Drehteil und sowas braucht er unbedingt auch. Er wünscht es sich so sehr wie noch niiieeee etwas zuvor. Und ob ich ihm das bitte sofort heute Nachmittag kaufen könnte. Weil das doch sooo dringend ist.

„Nein, mein Kind. Es ist weder Weihnachten, noch Ostern, noch Geburtstag. So große Geschenke gibt es nicht zwischendurch.“
„Bitte, bitte, bitte! Dann bin ich auch das liebste Kind auf der Welt! UND ich räume auch mein Zimmer auf!“
„Nein, ich kauf dir jetzt kein Lego. Auf keinen Fall!“
„Aber es ist doch Ninjago!“ (Was genau ist das bitteschön? Das sollte ich in Zukunft genauer kennenlernen dürfen…) „Bitte, Mama! Sonst bin ich soooo traurig.“

Da kam mir ein Gedanke:“Du hast doch noch Geld in deiner Spardose.“
„Meinem Sparhai!“
„Ja, genau. Wenn du einen so dringenden Wunsch hast, kannst du ihn dir auch selbst kaufen. Dann ist das Geld aber wahrscheinlich alle…“
„Oh ja, ich kauf mir das selbst! Können wir bitte gleich meinen Sparhai holen? Und dann sofort zum Spielzeugladen fahren? Biiitttteeeee!!!“

Da ich keine Lust auf weitere Diskussionen und auch keine weiteren Pläne für den Nachmittag hatte, haben wir also den Sparhai geholt, sind in den Spielzeugladen gefahren und haben dieses Ninjago-Ding gekauft. Natürlich wieder mit selbst zahlen und selbst merken, dass das Geld weniger wird. „Was ist eigentlich wertvoller? Scheine oder Münzen? Und sind glänzende Münzen noch wertvoller als dreckige?“
Wir haben noch eine Menge finanzielle Aufklärung vor uns…

Also gut. Kind glücklich, Sparguthaben nahezu verbraucht. Er wird schon noch merken, dass sparen auch toll ist.

Wieder einige Wochen später kam der nächste Wunsch auf. Wieder so ein Lego-Teil. Nicht besonders teuer, aber auf jeden Fall zu teuer für mal eben zwischendurch. Und zu teuer für den Kapitalstock des Sohnemanns… Und Ostern, Weihnachten und Geburtstag sind auch noch jahrelang entfernt…

Drama.

„Oh, Mann! Ich brauch das aber ganz dringend! Das ist mir das Liebste auf der ganzen Welt! Bitte, Mama, kauf mir das. Heute noch!“
Darauf folgte eine ähnliche Diskussion, bis auf die Tatsache, dass der Sparhai nahezu leer war.
Und mit der Ergänzung meiner Tochter: „Ich habe noch zwei Scheine in meinem Sparschwein!“
Extrem hilfreich, solche Kommentare.

Wie lösen wir nun dieses Dilemma? Es fehlen ungefähr 4,83 €.

„Du könntest dir Geld dazu verdienen. Wie wär’s wenn du ab jetzt immer den Müll raus bringst und dafür bekommst du dann immer 20 Cent.“
„Wie oft muss ich dann den Müll raus bringen?“
„Oft. Drei Wochen lang?“
„Drei Wochen???? Das ist mir aber zu lange!“

Tja, mein Kind. So funktioniert sparen…
Gesagt, getan… in den nächsten Tagen habe ich ein fleißiges Helferlein im Haushalt und die Spardose… Verzeihung, der Sparhai wurde ganz allmählich voller.

Heute standen wir dann im Supermarkt in der Ecke mit den ganzen Kinderheftchen. (Was es da nicht alles für Schrott gibt, stelle ich zum wiederholten Male fest…)
Meine Tochter hat sich unsterblich in ein Anne und Elsa-Heft verliebt. Mit allerlei Schnickschnack dabei.
„Kann ich mir das kaufen, Mama? Hab ich genug Geld dafür?“
„Na, klar. Wenn du es unbedingt haben willst? Ich kann es dir auslegen und du gibst mir das Geld zu Hause wieder.“
„OK.“

„Mama, kann ich ein Lego-Heft haben?“ fragt mich mein Sohn.
„Du könntest es dir von deinem Geld kaufen, aber dann ist das Geld für deinen anderen Wunsch weg… Dann musst du viel, viel länger sparen! Willst du das?“

Ich merke, wie es in seinem Kopf arbeitet. Er blickt sehnsüchtig auf das Heft in seine Hand. Sogar mit Sammelkarte dabei. Es wäre so einfach, jetzt das Heft zu kaufen und es ist so unglaublich schwer für einen Sechsjährigen hier die eigentlich viel vernünftigere Wahl zu treffen. Heft zurücklegen oder nicht?

Das Ringen zog sich über mehrere Minuten hin. Schweren Herzens legte er das Heft wieder zurück. Dann schaute er mich an und hatte Tränen in den Augen…

Er tat mir so leid! Klar hätte ich ihm das Heft jetzt kaufen können. Aber dann wäre dieser wichtige Lernerfolg dahin gewesen…

Ich nahm ihn in den Arm und sagte ihm, wie stolz ich auf ihn bin. Dass das gerade ganz groß von ihm war! Und dass er ganz bald sein Lego-Teil würde kaufen können. Darüber würde er sich viel mehr freuen, als über so ein einfaches Heft.

Als ich dann das Heft für meine Tochter bezahlte, hörte ich es noch hinter mir schluchzen. Erziehung kann so weh tun!

 

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2 Kommentare zu „Kinder und ihre Finanzen…

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