Mama, spielst du mit mir?

Wisst ihr, was ich echt nicht mag? Was ich schon als Kind nicht mochte?
Rollenspiele.

Ich mag es nicht, mir Geschichten auszudenken, die die Puppen oder Legomännchen gerade erleben. Ich bin darin mega unkreativ! Mir fallen keine Dialoge ein und die Figuren entsprechend zu bewegen, mag ich auch nicht.

Aber meine Kinder bitten mich natürlich immer wieder, hierbei ihr Spielpartner zu sein.

Und das führt mich zu der Frage: wie viel sollen oder müssen Eltern mit ihren Kindern spielen? Sollten Kinder nicht vielmehr lernen, sich selbst zu beschäftigen oder mit ihren Geschwistern und Freunden zu spielen?

Als meine Kids noch kleiner waren und ich noch nicht gearbeitet habe, hatte ich natürlich viel Zeit, mich zu den Kindern zu setzen und Bauklötzchen zu spielen oder Puppen zu bekochen. Ich habe das auch als meine Aufgabe als Mutter gesehen, ihr Spielpartner zu sein. Allerdings habe ich mich auch gefreut, wenn die Kleinen sich mit sich selbst beschäftigt haben und ich Zeit hatte, mich um andere Dinge zu kümmern, die ja auch gemacht werden müssen. Nicht dass ich nicht gerne mit ihnen gespielt hätte… außer Rollenspiele natürlich. Ich male total gerne mit ihnen, spiele Puzzles oder Memory oder ich schaue auch gerne mit Ihnen ein Bücher an. Aber eben nicht immer. Müssen wir als Eltern immer gleich parat stehen, wenn die Kinder darum betteln?

Gerade als frisch gebackene Eltern möchten wir unseren Kindern ja alles Recht machen. Ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen. Aber ich finde auch, dass sie lernen müssen, dass Eltern eben nicht nur Spielkameraden sind sondern auch noch viele andere Aufgaben wahrnehmen müssen.

Ich erlebe das bei anderen Familien ganz unterschiedlich. In manchen Familien, beschäftigen sich die Kinder stundenlang mit sich oder ihren Geschwistern. In anderen Familien – und so ist es bei uns oft auch – hängen die Kinder ihren Eltern am Rockzipfel, sitzen auf dem Schoss und verlangen Aufmerksamkeit. Und fangen an zu quengeln, wenn man sich ihnen nicht mit der gewünschten Aufmerksamkeit widmet.

Auf der anderen Seite lernen Kinder ja auch viel beim Spiel mit Eltern. Sie lernen, sich an Spielregeln zu halten. Sie bekommen neue Impulse, weil „Große“ anders spielen, malen und basteln. Entgeht uns ein wichtiger Faktor im Rahmen der Kindererziehung, wenn wir nicht genug mit unseren Kindern spielen?

Früher, so heißt es oft von älteren Generationen, haben die Eltern überhaupt nicht mit den Kindern gespielt. Dafür wäre gar keine Zeit gewesen. Werden Eltern, wenn die Kinderschar zahlreich ist, automatisch weniger als Spielpartner gefordert, weil die Geschwister diese Aufgabe übernehmen?

Ist es vielleicht schlicht Gewohnheit? Wenn man schon mit Babys und Kleinkindern viel und ausgiebig spielt und man dem Wunsch nach Aufmerksamkeit immer unmittelbar nachkommt, können sich die Kinder dann auch wenn sie älter werden nicht so gut mit sich selbst beschäftigen? Was ist hier das richtige Maß?

Bei uns gab es Zeiten, in denen sich die beiden ganz schwer allein beschäftigen konnten und es oft hieß: „Mama, spielst du mit mir?“. Mittlerweile können die beiden oft stundenlang miteinander spielen, ohne dass wir auch nur einmal gefragt werden. Zufall? Oder haben sie sich daran gewöhnt, dass wir nicht immer Zeit und auch Lust haben, mit ihnen zu spielen?

Ich finde es ist wichtig, dass wir in erster Linie Zeit mit unseren Kindern verbringen. Die muss aber nicht unbedingt mit gemeinsamem Spiel verbracht werden. Wir machen so viel mit unseren Kindern, von dem sie lernen können: gemeinsam kochen, Ausflüge machen, spazieren gehen, einkaufen, aufräumen, vorlesen, Quatsch machen, kuscheln…

Ich persönlich kann und möchte einfach nicht bei jedem „Mama, spielst du mit mir?“ aufspringen und mitspielen. Ich muss den Haushalt machen, arbeiten und manchmal einfach nur auf dem Sofa liegen und nichts machen. Natürlich habe ich dabei auch oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich gefühlt das eine Millionste Mal „Nein, ich kann gerade nicht.“ antworte. Aber Kinder lernen auch damit umzugehen. Und irgendwann finden sie dann auch etwas, mit dem sie sich alleine beschäftigen können.

Ich habe mal gelesen, dass man Langeweile braucht, um kreativ zu werden. Deshalb ist es vielleicht gerade aus diesem Grund wichtig, nicht immer als Spielpartner parat zu stehen, damit Kinder diese Kreativität entwickeln können.

Mich würde interessieren, wie gut eure Kinder sich selbst beschäftigen können und in wie weit ihr als Spielpartner gefordert seid. Und wie zufrieden ihr mit dieser Situation seid.

Liebe Grüße

Eure Andrea

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5 Kommentare zu „Mama, spielst du mit mir?

  1. Meine sind ja noch recht klein. Ich hab aber auch oft keinen Bock. Als staying home mum – klingt besser als Hausfrau 😉 – bin ich allerdings auch zu hundert Prozent Ansprech- und Spielpartner. Wenn ich dann zu zwanzig Prozent der Ueit keine Lust dazu habe, finde ich das in Ordnung. Ich mag Rollenspiele allerdings sehr sehr gerne und so ist meine Lösung wie folgt: Mama ich will jetzt aber … – du Süße, ich habe gerade zu tun, aber nimm dir doch mal hier den Einkaufskorb und geh mal einkaufen. Milch, Butter… Dann tappst sie durch die Gegend, geht einkaufen, danach Brot backen usw.. Ich gebe also einen kreativen Impuls und Zack ist sie erstmal beschäftigt. Funktioniert natürlich mal mehr mal weniger gut.

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  2. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen abgedroschen, aber ich glaube es kommt auf eine „gute Mischung“ an: Gerade am Anfang lernen sie wohl sehr viel, dadurch dass man mit ihnen gemeinsam spielt oder mit ihnen etwas Alltägliches (Kochen, Einkaufen etc.) macht oder auch einmal etwas Tolles (Ausflug usw) unternimmt.
    Wenn sie ein bisschen größer sind, ist aber auch das Spiel mit anderen Kindern endlich möglich (juhu!) und wichtig. Zeiten, in denen sie sich langweilen dürfen (!) sollten auch nicht fehlen. mMn sollten die Kinder auf jeden Fall lernen, dass sie sich ein bisschen alleine beschäftigen müssen/können und es nicht immer ein Programm gibt. Wenn ihnen nichts einfällt, können sie ja noch immer den Erwachsenen einfach zusehen, wie die arbeiten/studieren/Zeitung lesen etc. – denn dadurch lernen sie letztendlich, was man als Erwachsener so macht. Ich glaube nicht, dass Eltern reine Unterhalter der Kinder sein sollten.
    Eine Bekannte, die mit Kindergruppen arbeitet, meinte einmal sinngemäß, wenn das Kind gerade beschäftigt ist, soll man auch einfach einmal nur zuschauen und es genießen.
    So, nachdem ich dies nun alles behauptet habe, muss ich auch zugeben, dass ich wohl regelmäßig daran scheitere, das richtige Maß zu finden: Es gibt Tage, da hören meine 2 fast nur ein „Ich kann jetzt nicht, ich muss xy tun“ oder „Gleich, aber vorher muss ich noch xy tun“, aber an anderen Tagen lasse dann den Haushalt einfach einmal da, wo er gerade ist/liegt/steht und spiele/lese etc. einfach nur mit den Kindern.
    Noch sind die Phasen, in denen sie sich selbst beschäftigen können bei uns nicht sehr lange (vor allem nicht bei der Erstgeborenen, die ja noch das Privileg hatte, dass die Eltern sich ausschließlich mit ihr beschäftigt haben und das auch heute noch stärker verlangt), aber, wenn andere Kinder dabei sind, dann sind Mama/Papa schon nur noch 2. Wahl 😉

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