Schwerer Fall von Frageritis

Ich finde es immer wieder unfassbar, wie lange Kinder am Stück Fragen stellen können. Diese Wissbegierde ist unerschöpflich. Das Lernenwollen so offensichtlich. Und so nervig diese Fragerei oft erscheinen mag, so ist es doch für Kinder geradezu ein Grundbedürfnis, das gestillt werden muss.

Neulich beim Wandern. Die etwas lauffaule kleine Tochter haben wir bei der Oma geparkt. Mit unserem Großen sind wir zu einer 3-Stunden-Tour durch den Schwarzwald gestartet. Das Wetter schön, die Route abwechlungsreich und auch recht anspruchsvoll. Wir sind gerade die ersten Schritte gelaufen, da ging sie los die Frageritis.
Und es ist nicht gelogen: Er hat es geschafft, die gesamte Zeit – inklusive Picknick-Pause – durchzufragen. 

Und jeder, wirklich JEDER Satz begann mit „Du, Mama… ?“


„Du, Mama, gibt es im Schwarzwald Wölfe?“

„Nein, die gibt es hier nicht.“

„Du, Mama, wenn es hier Wölfe geben würde, wohnen die dann in Höhlen?“

„Ich glaube schon, aber genau weiß ich das gar nicht.“

„Du, Mama, ist ein Wolf schneller als ich?“

„Ja, viel schneller.“

„Du, Mama, kann ein Wolf auf Bäume klettern?“

„Nein, kann er nicht.“

Kurze Denkpause…

„Du, Mama, wenn ich dem Wolf auf die Schnauze haue, läuft er dann weg?“

„Das kann schon sein, aber hier gibt es keine Wölfe.“

„Du, Mama, kann der Papa einen Wolf töten?“

„Ich glaube nicht. Warum sollte er das tun?“

„Du, Mama, kann man Wolffleisch essen?“

„Sicher, aber normalerweise isst man kein Wolffleisch.“

Kurze Denkpause…

„Du, Mama, gibt es hier Bären?“

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie das weiter ging. Fragen über Fragen. Manchmal war ich geneigt, mit „Hmm, ja…“ zu antworten und zur Abwechslung mal meinen eigenen Gedanken nachzugehen, was bei einer Wanderung ja auch mal ganz nett ist.


Selbst als es bergauf ging und unsereins etwas ins Schnaufen kam, riss der Fragenfluss nicht ab. Unterwegs gab es natürlich auch eine Menge zu entdecken. Was wiederum neue Fragen aufwarf:

„Du, Mama, warum werden die Bäume hier nicht weggeräumt?“

„Das ist ein Bannwald, das soll mal ein Urwald werden.“

„Du, Mama, gibt es dann hier auch mal Gorillas?“

„Nein, die leben in anderen Urwäldern.“

„Du, Mama, ist ein Gorilla größer als ich?“

„Ein ausgewachsener Gorilla schon.“

„Du, Mama, warum soll das hier mal ein Urwald werden?“

Manchmal ist es auch schwierig, die Fragen zu beantworten. Entweder weil ich es ganz einfach selbst nicht weiß oder weil die Antwort dann doch etwas komplexer ist. Wie erklärt man komplizierte Dinge auf kinderverständliche Weise? Und habe ich gerade Lust, so ausführlich zu antworten, wie es die Frage erfordert? Vor allem nachdem ich schon gefühlt eine Millionen Antworten gegeben habe?

Just in dem Moment entdeckt der Junior eine Blindschleiche am Wegesrand. Zack, hatte er sie in der Hand… und das Gesprächsthema der nächsten Minuten ist gesichert ;o)

„Du, Mama, willst du die auch mal auf der Hand haben?“

„Nee, lass mal.“

„Du, Mama, die ist aber ganz lieb. Hattest du schon mal eine auf der Hand?“

„Nein, und ich glaube, die möchte jetzt auch lieber wieder ins Gras.“

„Du, Mama, können wir die nicht mit nach Hause nehmen?“

„Nein, die Blindschleiche muss hier im Wald bleiben.“

„Du, Mama, gell, ich habe großes Glück, dass ich die Blindschleiche gefunden habe, oder?“

„Ja, absolut, aber jetzt leg sie wieder ins Gras, ja?
Ok, werfen geht auch.
Tschüss, Blindschleiche!“

 

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