Die Hamsterrad-Falle

Das Gefühl, im Hamsterrad zu sein, kenne ich gut… Morgens bin ich die erste, die wach ist. Ich mache Frühstück, wecke Mann und Kinder, schmiere Brote und räume anschließend den Tisch ab.
Ich mache mich fertig, mache die Kinder fertig, sorge dafür, dass alle Zähne geputzt sind und jeder dem Wetter angepasst gekleidet ist. Ich sorge dafür, dass es zu Hause nicht allzu chaotisch aussieht, damit die Nanny oder die Oma keinen Schock bekommen.
Ich scheuche die Kinder, damit wir rechtzeitig um 8 Uhr das Haus verlassen.

Dann bin ich schon eineinhalb Stunden auf den Beinen und schon das erste Mal erledigt.

Die Kids werden beim Kindergarten rausgeworfen abgeliefert, ich schaue noch im Auto auf meinen Terminkalender und in meine Mails, um zu sehen, was mich heute im Büro erwartet und wie sehr ich mich beeilen muss.

Dann folgt meistens ein recht arbeitsreicher Tag. Je nach Wochentag zwischen 5 und 8 Stunden, manchmal auch länger. Anschließend sause ich wieder nach Hause, kaufe – wenn es die Zeit erlaubt – noch ein und hole die Kids wieder beim Kindergarten ab.
Zu Hause angekommen geht dann die To Do-Liste los: Wäsche, Putzen (unsere Putzfrau hat ja gekündigt), Aufräumen, Papierkram, Abendessen vorbereiten… bis abends die Kinder im Bett sind. Und meistens ist mein Tag dann immer noch nicht zu Ende…

Oft kommt es vor, dass ich um 10 Uhr abends das erste Mal aufs Sofa plumpse.

Wie lange kann ein Mensch diesen Hamsterrad-Marathon überstehen? Wann ist es zu viel?

Ich lese auf so vielen Blogs, dass Mütter unter der Last des Alltags ordentlich ins wanken geraten. Nicht nur körperlich sondern auch psychisch.

Meine Grenzerfahrung

Ich hatte vor Weihnachten eine Phase, in der ich kräftemäßig an meine Grenzen gestoßen bin. Vielleicht meine Grenzen auch überschritten habe. Beruflich hatte ich so wahnsinnig viel zu tun, es gab heftige Konflikte und ich hatte erst vor ein paar Monaten eine neue Aufgabe übernommen. Ich habe geglaubt, ich muss allen beweisen, dass ich das alles packe. Meinem Chef, meinen Kollegen, meinen Mitarbeitern, meiner Familie, meinen Freunden und zuallererst mir selbst. Ich habe geschuftet wie ein Tier. Ich hatte nur Zeit für meinen Job und meine Kinder, denn die sollten auf keinen Fall unter der Situation leiden. Alles andere blieb in der Zeit auf der Strecke.

Dann sind drei Dinge passiert, die mich zum Glück wachgerüttelt haben:

  1. Eine Freundin von mir, die beruflich in einer ähnlichen Situation war und auch kleine Kinder hat, erlitt eine Erschöpfungsdepression und war von heute auf morgen krankgeschrieben. Was sie mir über sich erzählt hat, hat mich wirklich erschüttert.
  2. Ich saß eines Nachmittags nach einem anstrengenden Tag ohne Mittagspause im Auto auf dem Weg zum Kindergarten und war mal wieder zu spät dran. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr. Ich bekam Panik und konnte mich nur mit großer Mühe wieder beruhigen.
  3. Am 23. Dezember habe ist festgestellt, dass ich die Weihnachtsdeko vergessen habe.

Diese drei Dinge haben mich wachgerüttelt. Und zum Glück hatte ich zwei Wochen Urlaub vor mir. In dieser Zeit habe ich mir viele Gedanken über mich, über meinen Alltag und meine Vorstellung eines glücklichen Lebens gemacht. Und so, wie mein Alltag in den letzten Wochen aussah, hat er mich nicht glücklich sondern unglücklich gemacht.

Ich habe mir bewusst vorgenommen, dass ich diese Warnzeichen ernst nehme. Dass ich besser auf mich aufpasse und mir bewusst Auszeiten nehme. Und wenn ich merke, dass ich es allein nicht schaffe und an meine Grenzen stoße, werde ich um Hilfe bitte.

Ich muss das alles nicht alleine schaffen. Und wenn der Berg an Arbeit zu viel für mich wird, muss vielleicht auch mal der Berg kleiner werden.

Passt auf euch auf!

Wenn ihr auch an euch feststellt, dass eure Kraft nicht ausreicht, dann nehmt die Warnzeichen ernst! Gönnt euch Momente zur Erholung.

Man muss nicht immer perfekt sein, den perfekten Haushalt haben und den Kindern das gesündeste, schönste Essen kochen, auch wenn uns viele Bilder im Internet suggerieren, dass es bei allen anderen so ist.

Und an alle, die schlaflose Nächte haben, gönnt euch tagsüber Ruhe, wenn ihr die Möglichkeit habt. Der Haushalt läuft nicht weg.

Wir versuchen viel zu oft, stark zu sein, allem gewachsen zu sein, keine Schwäche zu zeigen. Aber warum? Für wen?

Sind die Kinder glücklicher, wenn sie gebügelte Wäsche anhaben oder keine Staubmäuse unter dem Bett sind? Vermutlich nicht…

Aber sie sind sicher glücklicher, wenn auch die Mama glücklich ist. Also, gebt bitte auf euch Acht.

Alles Liebe,
Eure Andrea

 

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5 Kommentare zu „Die Hamsterrad-Falle

  1. Danke für den Beitrag der Balsam für meine Seele ist. Ich habe nämlich das Gefühl sich in diese Falle zu tappen bzw bin vielleicht schon längst drin.
    Dein Text hilft mir gerade 1. Zu sehen, dass es nicht nur mein Problem ist und 2. Vermehrt auf mich zu achten.
    Danke!

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