Das Problem mit den eigenen Ansprüchen

In vielen Beiträgen zum Thema Vereinbarkeit heißt es, man muss nur seine eigenen Ansprüche runterschrauben, dann wir alles leichter.

Die Ansprüche an ein aufgeräumtes, geputztes Zuhause, an gewaschene Wäsche, an Hobbies und die Gestaltung der eigenen Freizeit… alles Dinge, die Zeit brauchen und für die man mit Kindern einfach keine Zeit mehr hat. Und wenn man dazu noch arbeiten geht, noch viel weniger.

Wie einfach ist es da, diese Ansprüche einfach ein paar Nuancen runterzuschrauben und schon hat man ein total entspanntes, stressfreies Leben…

Wenn es doch nur so einfach wäre…

Mir fällt es immer öfter schwer, meine Ansprüche runterzuschrauben. Wenn ich nach dem Büro nach Hause komme und die ganze Arbeit im Haushalt sehe, sage ich mir schon manchmal:“ Ach, der Haushalt läuft ja nicht weg, erstmal verbringe ich Zeit mit meinen Kindern.“
Wenn ich dann aber die Staubmäuse unter dem Sofa sehe, die Wäsche, die aus dem Wäschekorb quillt, die unaufgeräumte Küche und das restliche Chaos, wächst mein Wunsch, mal wieder die Zeit dafür zu haben, meinen Ansprüchen gerecht zu werden.

Es muss bei mir zu Hause nicht immer tippitoppi aussehen, ich kann auch mal über eine Staubschicht auf dem Regal und Zahnpasta im Waschbecken hinweg sehen, aber so eine gewisse Grundordnung habe ich schon gerne. Ich fühle mich in einer aufgeräumten Wohnung wohler als in einer unaufgeräumten, in der ich überall sehe, was noch alles gemacht werden muss. Mich kribbelt es dann immer und oft ertappe ich mich dabei, wie ich während dem Spiel mit den Kindern mal hier was aufräume und mal dort schnell was putze.
So bin ich aber nicht richtig bei der Sache, weder beim Spielen noch beim Haushalt. Und beides macht mich dann unzufrieden.

Ich habe immer das Gefühl, dass ich nie fertig werde, weil ich nie genug Zeit habe, um all meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Und dieses Gefühl erzeugt bei mir eine permanente, latente Unzufriedenheit.

Früher, vor den Kindern, habe ich Vollzeit gearbeitet, hatte ein Putzfrau, und wenn ich abends nach Hause kam, habe ich noch etwas aufgeräumt, alle paar Tage noch eine Maschine Wäsche gewaschen und hatte dann Zeit für mich.
Ich hatte Hobbies, habe gelesen, mich mit Freunden getroffen… und manchmal habe ich mich sogar gelangweilt!

Und jetzt?

Ich arbeite fast Vollzeit, meine Putzfrau hat gekündigt, die Kinder verbreiten ihr Chaos genau dort, wo ich gerade aufgeräumt habe, der Sandkasten verteilt sich quasi vollautomatisch in der gesamten Wohnung und ich wasche im Schnitt eine Maschine Wäsche am Tag. Und ich erinnere mich nur noch dunkel, was ich mal für Hobbies hatte…

Wenn ich die Kinder nicht völlig sich selbst überlassen will, habe ich am Tag 1-2 Stunden, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Und wisst ihr was? Ich schaffe es nicht. Nie. Am Endes jedes Tages, ist immer noch so viel Haushalt übrig.

Klar könnte ich abends, wenn die Kinder im Bett sind, noch putzen, aufräumen, Ablage machen… aber will ich das? Habe ich nicht auch ein Recht auf Feierabend? Manchmal möchte ich auch einfach mal den Abend auf dem Sofa genießen.
Dann bemühe ich mich redlich, meine Blicke nicht auf all die noch zu erledigenden Dinge zu lenken und übe mich in temporärem Ansprüche-runterschrauben…

Nun frage ich mich, wie komme ich bloß raus aus dem Dilemma? Warten bis die Kinder aus dem Haus sind? No way!

Zuerst muss dringend wieder eine Putzfrau her! Das ist einfacher gesagt als getan, denn die Putzfrauen-Dichte hier in der Gegend ist nicht besonders hoch. Außerdem würde das nur einen Teil meiner Unzufriedenheit lindern. Denn auch mit Putzfrau bleibt immer noch genug zu tun für mich übrig.

Wie gelingt es mir nur, mehr Stunden aus meinem Tag rauszuholen?

Früher aufstehen?
Fällt aus, ich bin leider keine Lerche.
Die Kinder früher ins Bett bringen?
Darüber hatte ich schon nachgedacht, denn ab Sommer haben wir ein Schulkind, das wahrscheinlich eher ins Bett muss. So hätte ich abends vielleicht eine knappe Stunde mehr Zeit.
Weniger arbeiten?
Das ist definitiv eine Überlegung wert.

In der aktuellen Eltern Family steht ein Beitrag über eine Frau, die den Wiederausstieg vom Wiedereinstieg in den Job gewagt hat. Ich finde das mutig! Komplett aussteigen würde ich zwar nicht, aber eine Reduzierung der Stunden könnte ich mir durchaus vorstellen. Und zwar nicht, weil ich nicht gerne arbeiten gehe, sondern weil die derzeitige Konstellation Job-Family-Haushalt-Ich derzeit einfach nicht gut funktioniert.

Und wenn ich ein paar Stunden pro Woche gewinne, kann ich meinen eigenen Ansprüchen vielleicht auch besser gerecht werden UND könnte vielleicht sogar noch eines meiner alten Hobbies wieder rauskramen.

Mal sehen…

 

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Ein Kommentar zu „Das Problem mit den eigenen Ansprüchen

  1. Wenn Du die finanziellen Möglichkeiten hast, Stunden zu reduzieren? Dann versuche es. Doch manchmal bleibt ein Plan nur eine Idee und es tun sich andere (zusätzliche) Aufgaben auf.
    Fakt ist: So wie Du es beschreibst, ist es auch bei mir… und ganz vielen anderen. Beim Lesen dachte ich mir so…nach Feierabend müsste ich zu Hause nach der versteckten Kamera suchen… Ich glaube wir müssen es leider (hin)nehmen wie es ist. Schlimm finde ich, wie Du auch, dieses Gefühl dass man nichts zu 100% macht. Haushalt, Kinder, Job… alles fühlt sich angefangen, aber nicht zu Ende gebracht an. Trotzdem fühlt man sich abends, als hätte man sogar schon vorgearbeitet..
    Wenn ich nicht (aus finanzieller Sicht) arbeiten müsste, würde ich die Stunden auch reduzieren, ganz gleich ob für häusliche Pflichten oder für mich. Beides wäre gut.
    Eine Putzfrau könnte ich mir gar nicht leisten, deshalb gilt bei mir: Wen Staub oder noch nicht geputzte Fenster stören, der soll halt weg bleiben! Ich kann mich nicht zerteilen…

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