Gedanken an meine Oma

Die liebe Anke vom Blog Mama geht online hat zu ihrer ersten Blogparade aufgerufen und das mit einem wundervollen Thema: die eigene Oma.

Ich habe meine Oma geliebt! Sie war von der Sorte Oma, die nie böse sein konnte und immer für uns da war. Sie hat uns jeden Wunsch erfüllt, wenn es ihr möglich war…

Aber eins nach dem anderen…

Seit ich denken kann, hat meine Oma bei uns im Haus gewohnt. Zuerst hatte sie ein Zimmer bei uns, später hat sie im ausgebauten Dachboden gewohnt. Und da meine Mutter recht früh wieder angefangen hat zu arbeiten, hat meine Oma nachmittags nach Kindergarten oder Schule auf uns aufgepasst. 

Omas Kochkünste

Es ist ein ganz besonderer Duft, den ich noch heute rieche, der mittags bei uns im Haus war. Meine Oma hat uns morgens, bevor wir das Haus verlassen haben, immer gefragt, was wir mittags essen möchten und meist war die Antwort: „Griesi!“ Griesbrei mit Zimt und Zucker, sie hat immer am Schluss noch Eischnee unter gemischt.
Aber auch herzhaft konnte sie toll kochen: ihre Rindsrouladen waren der Hammer, Königsberger Klopse und Sauerbraten konnte keiner so lecker machen wie sie!

Ein paar Jahre, bevor sie gestorben ist, habe ich mir mal alle ihre Rezepte von ihr diktieren lassen. Ich habe sie aufgeschrieben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Nach einigen Umzügen hatte ich sie nicht mehr gefunden und befürchtete schon, dass ich sie aus Versehen weggeschmissen habe. Dann habe ich sie aber doch wiedergefunden. Ich habe die Rezepte zu einem Buch gemacht, dazu noch Fotos von ihr und habe diese Rezeptbücher an Weihnachten ihren vier Kindern geschickt… ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Reaktionen das gab! Freude pur!

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Eines ihrer beliebtesten Rezepte waren Eiserwaffeln mit Sahne. Diese knusprigen, dünnen Waffeln, die in einem speziellen Waffeleisen gebacken und anschließend wie Hörnchen gerollt werden, gab es bei uns immer an Fasching. Und in einige hat sie immer Mullbinden eingebacken. Und wer solch eine Waffel erwischt hat, hatte die Lacher immer auf seiner Seite!

Dank meiner Oma esse ich heute Käse in Scheiben

Als ich klein war, mochte ich zwar Käse, aber nur in geriebener Form. Keiner konnte mich dazu bewegen, mal ein Brot mit einer Scheibe Käse zu essen. Eines Tages – ich war noch im Kindergarten – saß ich bei meiner Oma in der Küche. Ich aß mal wieder „Streuselkäse“ und spielte damit rum. Ich baute einer Käsemauer, worauf meine Oma sage: „Oh, hast du dir eine Scheibe Käse gebaut?!“
Seit dem Tag aß ich auch Käse in Scheiben.

Nüsse sammeln für Oma

Auf meinem Schulweg kam ich immer an einem Haselnussbusch vorbei. Jeden Tag habe ich welche gepflückt und sie meiner Oma mitgebracht. In der Adventszeit haben wir dann diese Nüsse gemeinsam geknackt und daraus Plätzchen gebacken. Ob es allerdings tatsächlich noch diese waren, die ich ihr mitgebracht hatte, weiß ich nicht…

Urlaub machen mit Oma

In den Ferien sind wir auch oft nur mit meiner Oma in den Urlaub gefahren, meistens an die Nordsee. Ich kann mich nur noch bruchstückhaft an diese Urlaube erinnern. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für sie sehr anstrengend war mit zwei Wirbelwinden wie wir sie waren. Für meine Mutter war das natürlich eine enorme Entlastung. Genauso wie meine Mutter es jetzt für mich ist. Ich schätze, dass sie nächstes Jahr mit meinen beiden auch mal Urlaub machen wird… Schulferien sind bekanntlich lang…

Besuch von der Ur-Oma

Meine Ur-Oma ist gestorben kurz bevor ich geboren wurde. Aber meine Oma hat uns immer erzählt, dass sie uns in Form einer Amsel besuchen kommt und auf uns aufpasst. Sie sagte immer, dass die Amsel, die bei uns im Garten ist, die gleichen O-Beine hätte wie meine Uroma.

Frau Seegräber ist schuld

Meine Oma hatte früher, als meine Mutter selbst noch klein war, eine seltsam schrullige Nachbarin: Frau Seegräber. Sie war sehr groß und stämmig und hatte einen kleinen, schmächtigen Mann. Ab und zu hat diese Frau Seegräber auf die Kinder aufgepasst. Und jedes Mal, wenn zu Hause irgendein Missgeschick passiert war und meine Oma abends fragte, wer das gewesen sei, war die Antwort ihrer Kinder immer: „Das war Frau Seegräber!“

Das hat sich irgendwie auch eingebürgert, als wir klein waren. Frau Seegräber war schuld, wenn ein Schuh fehlte,  wenn ein Glas umgefallen ist oder jemand Dreck in die Wohnung getragen hat. Neulich – es war Oma-Tag bei uns – fragte ich meine Kinder, wer denn die Kleckse auf den Boden gemacht hätte. Darauf antwortete meine Tochter: „Das war Frau Seegräber!“ Ich vermute, die Nachbarin meiner Oma wird auch uns noch eine Weile begleiten…

Oma zieht aus

Eines Tages sind wir umgezogen. Mitten in die Stadt. Meine Oma ist nicht mitgezogen, sondern wieder zurück in ihre Heimat nach Wanne-Eickel. Ich weiß nicht genau, was damals der Grund war, aber ich vermute, dass es ihr bei uns zu eng wurde und sie wieder zu ihren alten Freunden wollte.
In Wanne-Eickel haben mein Bruder und ich sie immer in den Sommerferien besucht. Das waren tolle Zeiten. Wir hatten alle Freiheiten. Ich kann mich noch genau an den Geruch in ihrem Haus erinnern, und an den Kaugummi-Automaten vor dem Haus. Im Hinterhof haben wir immer Waschlappen-Schlachten gemacht.

Oma und ihre Lieben

Das schönste für meine Oma war, wenn sie all ihre Kinder und Enkelkinder um sich hatte. Sie konnte sie bekochen und bemuttern und abends saß sie oft in ihrem Sessel, hatte immer beide Hände an ihr Kinn gehalten und freute sich, dass alle beisammen waren. Für sie war es immer unheimlich wichtig, dass für alle gesorgt war und dass es allen gut ging. Bis zum Schluss haben wir alle uns jedes Jahr an ihrem Geburtstag getroffen. Es war oft die einzige Gelegenheit im Jahr, bei der immer alle zusammen waren.

Nach ihrem Tod haben wir unsere Familientreffen eingeführt. Wir treffen uns jedes Jahr im Herbst, immer in verschiedenen Städten, immer organisiert es jemand anderes – dieses Jahr schon das 7. Mal. Eine tolle Tradition, auf die sich immer alle freuen. Und ich bin mir sicher, dass meine Oma aus dem Himmel, oder wo immer sie jetzt ist, auf uns herunter schaut und sich freut, dass wir immer noch alle in Kontakt sind und uns so gut verstehen!

Ich glaube, das Leben meiner Oma war erfüllt, aber trotzdem auch nicht einfach.
Sie hat schon sehr früh heiraten müssen, denn mein Onkel war unterwegs. Ich glaube, die Ehe meiner Oma war nicht besonders glücklich. Wer weiß, welchen Partner sie gewählt hätte, wäre das Thema Verhütung damals nicht so kompliziert gewesen. Sie hat vier Kinder bekommen und die waren für sie ihr ein und alles. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, hat sie ihren Mann verlassen. Ich habe sie aber nie verbittert erlebt. Sie hat immer nach vorne geschaut und war stets optimistisch. Ich glaube, dass ich diese positive Lebenseinstellung ein Stück weit von ihr geerbt habe.

Zuletzt hat meine Oma in einem Altersheim gewohnt und ist eines Nachts eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Und seit dem fällt mir immer eine Amsel auf, die hier in der Nähe lebt und fröhlich singt.

 

 

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Ein Kommentar zu „Gedanken an meine Oma

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