Vereinbarkeit… und wie es gerade so läuft

Diese Woche habe ich mich mit einem Arbeitskollegen unterhalten über das Thema Vereinbarkeit von Job und Familie. Auf das Thema gekommen sind wir, weil er mir erzählt hat, dass es für ihn so schwierig ist, seine Hobbys und den Job unter einen Hut zu bringen.

Er spielt unter der Woche hier in einer Sportmannschaft und hat immer mal wieder Spiele. Am Wochenende spielt er Fußball, aber dort wo seine Familie wohnt. Dazu kommt, dass er noch in der Ausbildung ist und kein eigenes Auto hat. So arbeitet er tagsüber, hat unter der Woche abends die Verpflichtungen in dem einen Sportverein und am Wochenende die Verpflichtungen in dem anderen Sportverein. Muss dann noch schauen, wie er möglichst kostengünstig seine beiden 300km entfernten Leben verbindet.

Auch nicht einfach…

Bei uns spielt sich das Leben (meistens) nur an einem Ort ab. Das macht vieles einfacher. Aber wie läuft es gerade so mit der Vereinbarkeit? 

Eine Bestandsaufnahme:

Unser Morgen läuft zur Zeit eigentlich ganz rund. Ich steh immer als erstes auf und mache mich fertig: duschen, föhnen, anziehen, schminken. Dann wecke ich meinen Liebsten und mach mich ans Frühstück. Der Papa ist dann fürs Kinder wecken zuständig. Ich mache derweil das Vesper für die Kinder. Alles ist eingespielt. Die Kinder bringen wir abwechselnd in den Kindergarten, zweimal Mama, zweimal Papa, einmal Oma. So kann jeder mal früher ins Büro düsen.

Urteil: läuft. Das einzige was stresst, ist dass wir uns morgens eigentlich keine Zeit lassen können, sondern uns immer beeilen, spätestens im 8 Uhr das Haus zu verlassen. Wenn die Nacht mal schlecht war oder die Kinder morgens nicht so gut „funktionieren“, wäre es schön, wenn wir mehr Zeit hätten.

Der Tag ist für meinen Mann „familientechnisch“ immer gleich. Wenn er das Haus verlässt, ist für ihn das Thema Familie erstmal erledigt, bis er abends wieder den Schlüssel ins Schloss steckt. Dann kümmert er sich um die Kinder und hilft im Haushalt mit.

Für mich sieht die Sache da ganz anders aus. Ich bin so ungefähr genau die Zeit im Büro, die meine Kinder entweder im Kindergarten, beim Kindermädchen oder bei der Oma sind. Das ist mit meinen Arbeitsstunden so getimed, dass es genau hinkommt. Ohne Puffer. Das bedeutet, dass ich immer etwa eine halbe Stunde, bevor die Kinder abgeholt werden müssen, das Büro verlassen muss.

Dazu kommt, dass ich als erste Kontaktperson bei Kindergarten und Kindermädchen hinterlegt bin. Das bedeutet, dass ich ständig mein Handy dabei habe und immer erreichbar bin, falls etwas mit den Kindern ist. Auch wenn es bei uns in Meetings nicht gern gesehen wird, wenn man sein Smartphone dabei hat… meins liegt immer auf dem Tisch.

Zwischendurch erreichen mich What’s App Nachrichten, ob z.B. morgen eine Freundin zu Besuch kommen darf, dass das Ballett diese Woche ausfällt, dass dem Kindermädchen aufgefallen ist, dass keine Nudeln mehr da sind… uns so weiter…

Während ich arbeite, vereinbare ich noch Arzttermine, Werkstatt-Termine, schreibe nebenher Einkaufszettel, informiere andere Mütter, dass das Ballett ausfällt, organisiere Mitfahrgelegenheiten beim Kindergarten-Ausflug… Denn wenn ich zu Hause bin, schaltet mein Gehirn von „Dinge organisieren“ um zu „Tageserlebnisse-der-Kinder-anhören“, „Wäsche-waschen-damit-ich-sie-heute-noch-aufhängen-kann“ und „Abendessen-zubereiten“. Wenn ich das nächste Mal mein Gehirn wieder anschalte, hat alles geschlossen…

Ich würde mal behaupten, dass dieses ständige Multi-Tasking anstrengender ist, als „nur“ arbeiten.

Zum Glück habe ich einen Job, im dem auf eine funktionierende Vereinbarkeit sehr geachtet wird. Ich werde nicht schief angeschaut, wenn ich früher gehe als andere. Ich kann von zu Hause arbeiten, wenn ein Kind krank ist. Ich kann meine Stunden so einteilen, wie es die Betreuungssituation erfordert.

Dennoch…

Früher hatte ich eine 40-Stunden-Woche. Das war zwar auch mal recht anstrengend, aber wenn ich Feierabend hatte, war definitiv Feierabend.

Heute arbeite ich 30 Stunden im Büro und nochmal 40 Stunden als Mama und Hausfrau. Dann habe ich theoretisch abends noch ca. 2-3 Stunden für mich. Oft erledige ich dann aber auch noch Dinge im Haushalt, zu denen ich vorher nicht gekommen bin.

Jetzt wo ich mir das mal vorgerechnet habe, wundert es mich nicht, dass ich keine Zeit für meine Hobbies oder Sport habe…

Aber es wird besser: die Kinder werden älter und selbstständiger. Tagsüber müssen sie nicht mehr ständig beaufsichtigt werden, sondern gehen schon mal ihre eigenen Wege. Das ist aber noch eher selten. Und es bedeutet auch nicht, dass ich diese Zeit nur für mich verplanen kann. Denn erstens ist sie nicht vorhersehbar, zweitens gönnen mir meine Kinder nicht immer gleichzeitig freie Zeit und drittens kann ich dann ja nicht einfach für zwei Stunden ins Fitness-Studio abhauen…

Was würde die Situation noch weiter verbessern?

Bessere Betreuungszeiten: hier habe ich mir selbst ein Ei gelegt, als ich damals einen Kindergarten ausgesucht hat, der schon um 13 Uhr endet und nur an zwei Nachmittagen geöffnet hat. In gut einem Jahr sind beide Kinder in der Schule und können in den Hort gehen. Das hört sich erstmal nach mehr Flexibilität an. Ob das aber tatsächlich so klappt, wird erst die Realität zeigen…

Reduzierung meiner Stunden: das würde mir unmittelbar mehr Freiraum verschaffen. ABER es bedeutet auch, weniger Geld, weniger Rente, möglicherweise weniger interessante Projekte im Job… Das gilt es sorgsam abzuwägen!

Vielmehr Möglichkeiten sehe ich momentan nicht.

Fazit

Im Großen und Ganzen läuft es bei uns ganz gut. Wir sind ein gut eingespieltes Team, mein Netzwerk ist zuverlässig und die Kinder sind zur Zeit zum Glück nur selten krank.
Dennoch laufe ich kräftemäßig immer so gerade an der Grenze. Sobald ich merke, dass meine Kräfte zu sehr in Anspruch genommen werden, versuche ich mir bewusst Auszeiten zu nehmen und das gelingt mir meisten auch ganz gut.

Aber allein schon die Tatsache, dass man als Mutter ständig darauf achten muss, seine Kräfte nicht überzustrapazieren, zeigt schon, dass das Thema Vereinbarkeit immer einem Kraftakt gleichkommt.
Dieser Beitrag ist mit der Blogparade von #Vereinbarkeitsgeschichten verlinkt. Dort findet ihr noch mehr Erfahrungsberichte zum Thema Vereinbarkeit.

 

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Ein Kommentar zu „Vereinbarkeit… und wie es gerade so läuft

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