Mein Home Office-Tag

Gestern Abend war ich mit meinem Großen beim Kinderarzt. Eigentlich wollte ich nur einen Zeckenbiss checken lassen. Da er aber in den letzten Tagen immer mal wieder über Halsschmerzen geklagt hat, bat ich die Ärztin, doch auch noch einen Blick in den Hals zu werfen. „Hmmm… etwas rot.“ sagte sie und machte einen Abstrich.

15 Minuten später standen wir mit der Diagnose Streptokokken und einem Rezept für ein Antibiotikum wieder vor der Tür. So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt.

Zwei Tage zu Hause bleiben, hieß es. Er ist ansteckend.

Zu Hause angekommen warf ich einen Blick in meinen Terminkalender für den kommenden Tag und entschied, zu Hause bleiben ist irgendwie machbar. Also schrieb ich meiner Chefin gleich eine Email, dass ich Home Office machen würde.

Klar könnte ich mich auch krank schreiben lassen. Aber erstens gehen wir in zweieinhalb Wochen in den Urlaub und bis dahin müssen noch einige Projekte bearbeitet werden. Zweites bekommt man dann keinen vollen Lohnausgleich und drittens hasse ich diesen Papierkram mit der Krankenkasse, meinem Arbeitgeber und nächstes Jahr in der Steuererklärung muss ich das auch irgendwie angeben. Also ist Home Office für mich die praktikablere Variante. Zumindest solange es dem Kind nicht wirklich schlecht geht.

Der nächste Tag begann für mich erstmal wie immer. Aufstehen, Duschen, Frühstück machen… Die Kinder habe ich nicht geweckt, denn wir haben es ja nicht so eilig heute. Also habe ich direkt mal meinen Rechner hochgefahren und die ersten Emails beantwortet.

Meine Tochter war als erste der beiden wach, wir haben gemeinsam gefrühstückt und uns fertig gemacht für den Kindergarten. Kurz bevor wir los sind, habe ich dann meinen Sohn geweckt, damit er keinen Schreck bekommt, wenn er aufwacht und ich bin nicht da. Ihn kann ich mittlerweile schon eine kurze Weile alleine lassen.

Also auf zum Kindi, anschließend noch in die Apotheke das Antibiotikum holen und noch zum Bäcker, Croissants für den Patienten kaufen.

Zuhause angekommen, hat mein Sohn dann gefrühstückt während ich daneben am Computer saß und Emails geschrieben habe. Danach muss natürlich irgend jemand den Tisch abräumen, die Spülmaschine anmachen und in der Küche grob Klarschiff machen.

Mittlerweile ist es halb 10, ich sitze wieder am Rechner und mein Sohn webt seinen Webrahmen, den ich ihm aus dem Kindergarten mitgebracht hatte. Vor den Sommerferien soll der nämlich noch fertig werden. Soweit läuft es also ganz gut mit dem Home Office mit Kind nebendran.

Aber sind das da Staubmäuse unter dem Sofa? Wenn ich schon zu Hause bin, kann ich das ja mal eben wegsaugen. Ach, und es ist ja noch Wäsche im Trockner…

11 Uhr: Telefonkonferenz. Vorher setze ich meinen Sohn noch vor mein Handy, damit er mich eine halbe Stunde ungestört telefonieren lässt. Funktioniert prima! Wenn er eine Frage hat, stupst er mich kurz an, ich mute mein Headset und kann ihm kurz eine Frage beantworten, ohne dass es jemand mitbekommt.

So kann ich noch eine Weile ungestört weiterarbeiten, bis ich mich gegen 12:15 Uhr langsam daran mache, das Mittagessen vorzubereiten. Um 1 Uhr hole ich dann das Töchterlein aus dem Kindergarten und wir essen gemeinsam. Leider kann ich sie nicht dazu bewegen, am Nachmittag wieder in den Kindi zu gehen, wenn der große Bruder zu Hause bleiben darf…

Na gut, aber nur wenn ihr mich in Ruhe arbeiten lasst!

Um 14.30 Uhr habe ich die nächste Telefonkonferenz. So leid es mir tut, aber der eckige Babysitter muss mal wieder herhalten… Meine Kinder sehen das weniger kritisch und ziehen sich mit meinem Handy für eine Stunde in ihre Zimmer zurück und schauen vermutlich Conni in Dauerschleife… Sie werden es überleben. Und ich kann wieder ungestört telefonieren.

Um halb 4 schnappe ich mir dann unter Protest mein Handy und scheuche die Zwerge in den Garten. Es ist so warm heute! Sie wollen ins Plantschbecken. Also pumpe ich was das Zeug hält, um mich anschließend wieder an den Computer zu setzen. Nach gefühlten 5 Minuten steht ein tropfendes Kind im Wohnzimmer. Wegen irgendwas, keine Ahnung mehr warum. Ich eile schnell die Pfützen aufwischen, damit niemand ausrutscht.

Von da an schaue ich immer nur noch sporadisch in meinen Posteingang, ob was Wichtiges reinkommt. Meine Kinder fordern meine Aufmerksamkeit nun so sehr, dass konzentriertes Arbeiten nicht mehr möglich ist. Es macht keinen Sinn, sich darüber zu ärgern. So ist es eben.

Heute werde ich also deutlich weniger Stunden aufschreiben, als ich an einem normalen Bürotag gearbeitet hätte. Aber zum Glück habe ich noch eine Menge Überstunden.
Morgen kommt dann die Oma zum Aufpassen.

Mein Fazit: Mit krankem Kind zu Haus zu arbeiten klappt nur bedingt. Zum Glück ging es meinem Sohn so gut, dass er keine besondere Pflege gebraucht hat. Ich war erreichbar und habe auch einige Dinge voran gebracht. Aber man wird eben oft abgelenkt, sei es durch die Kinder oder durch den Haushalt, den man eben nicht einfach ausblenden kann, wenn man mitten drin sitzt.

Ich bewundere die Menschen, die immer oder oft zu Hause arbeiten und sich darauf fokussieren können. Vielleicht ist es auch Übungssache.

Ich weiß nur, dass ich morgen einiges nacharbeiten muss…

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5 Kommentare zu „Mein Home Office-Tag

  1. Sehr eindrücklich geschrieben! Danke für den ehrlich offenen Einblick. Sowas kommt dann demnächst auch auf mich zu und ich habe mir das einfacher vorgestellt. Hmm. Aber dieser Zettelkram, das war mir auch nicht klar. Und da Berlin hier ein riesengroßer Zettelbürokratieberg ist, wird das hier nicht anders, eher schlimmer sein. Also homeoffice mit Babysitter. 🤓

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  2. In den Jahren, in denen ich an zwei Tagen die Woche Homeoffice gemacht habe, hatte ich trotzdem einen Babysitter. Es ging einfach nicht ohne! Ich fand immer, arbeiten mit gleichzeitiger Kinderbetreuung braucht 120 % Energie bei max. 80 % Output im Vergleich zu einem normalen Arbeitstag.

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