Jungs und Fußball…

Eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass mein Sohn plötzlich ein so großer Fußballfan wird. Die letzten Jahre hat er sich eigentlich kaum interessiert für diesen Sport.

Natürlich haben wir manchmal im Garten gekickt, meistens war einer von uns im „Tor“ und er hat geschossen. Mit den anderen Jungs auf der Bolzwiese zu spielen hat er sich nicht getraut. Ein Schnuppertraining bei den Bambinis ist ebenfalls gescheitert.

Und dann kam die EM…

Im Supermarkt meines Vertrauens gab es an der Kasse die Sammelkarten unserer Nationalmannschaft. Nicht ahnend, was das zur Folge haben könnte, habe ich sie meinem Sohn mitgebracht. Es war hellauf begeistert, denn die Jungs im Wohngebiet sammelten sie auch. Sofort ist er mit seinem kleinen Stapel raus geflitzt, um den ersten Sammelkarten-Tausch zu erledigen, denn er hatte gleich eine Karte doppelt.

Beim nächsten Einkauf habe ich ihm dann das Sammelalbum mitgebracht. Eigentlich mag ich diese Kundenbindungsintrumente gar nicht gerne, denn ich als Marketing-Tante weiß natürlich genau, was hinter diesen Aktionen steckt… enorme Umsatzzuwächse, weil die Eltern nur noch diese Supermärkte ansteuern, um ihren Halbwüchsigen die geliebten Sammelkarten besorgen zu können… aber egal, auf dieser Welle fuhr ich nun also zuliebe meines Sohnes auch mit…

Um noch mehr Karten zu bekommen, ging er auch immer mit zum Einkaufen und fragte an der Kasse die anderen Kunden, ob sie ihm Fußballkarten mitbringen könnten. Am Anfang hat er sich nicht getraut, mit der Zeit wurde er aber immer mutiger und das wurde natürlich auch durch stapelweise Karten belohnt.

In den nächsten Wochen wurde also getauscht, was das Zeug hält. Natürlich musste auch mein Sohn, die Erfahrung machen, von größeren Jungs abgezockt zu werden, was mit viel Tränen des Lernens endete. In Zukunft passte er also auf seine liebsten und wertvollsten Karten besser auf.

Morgens im Kindergarten – noch bevor die Schuhe und Jacken ausgezogen wurden, lagen die Jungs nun also vor ihren ausgebreiteten Sammelalben und feilschten um die besten Karten.

Ohne dass mein Sohn lesen kann, kannte er trotzdem bald alle Namen der Nationalspieler, samt Größe, Alter, Gewicht… Außerdem weiß er genau, welche Karte er wie oft hat, und welche davon in heiß begehrter Glitzerausführung. Erstaunlich, was Kinderhirne für eine Speicherleistung vollbringen…

Aber bei den Sammelkarten hörte die Fußballbegeisterung natürlich noch lange nicht auf! Ab sofort wird im Kindergarten jeden Tag gekickt. Es bilden sich Mannschaften, Turniere werden veranstaltet und die Spieltechnik verbessert sich mit jedem Tag. Selbst ohne richtiges Fußballtraining. Letztens beim Sommerfest bei den Großeltern hat mein Sohn mit seinen Cousins und Onkels Fußball im Garten gespielt. Und nicht nur ich sondern auch die anderen Familienmitglieder haben festgestellt, dass hier ein kleines Talent auf dem Grün ist. Es wurde gekickt bis es dunkel wurde.

Während der EM wollte er natürlich am liebsten jedes Spiel schauen, ging natürlich nicht… Er kannte sich schnell mit den Regeln auch und fieberte begeistert mit.

Ein richtiger Fußballer braucht natürlich auch das passende Outfit. Schon letztes Jahr habe ich auf dem Flohmarkt ein Barcelona-Trikot erstanden, das ab sofort regelmäßig zum Einsatz kam. Ein langärmeliges Sportoberteil diente ab sofort als Torwart-Trikot und als die Oma dann vor Kurzem noch mit einem (nicht Original weil viel zu teurem) Deutschland-Trikot ankam, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Ab sofort musste ich meinen Sohn abends regelmäßig aus seinem Fußball-Outfit geradezu rausschneiden, sonst hätte er mit Sicherheit auch in seinen verschwitzten, mit Grasflecken übersäten Klamotten geschlafen. Nicht selten habe ich die Sachen dann abends mit der Hand gewaschen, damit er sie morgens gleich wieder anziehen konnte. Denn ohne Fußball-Outfit am nächsten Tag zum Turnier im Kindergarten zu erscheinen, fiel natürlich aus…

Ach ja, Fußballer haben natürlich auch Fußball-Strümpfe. Hier erfüllten die langen Skisocken auch im Sommer ihren Zweck. Und als Torwart-Handschuhe fanden die Winter-Handschuhe regelmäßig den Weg in den Kindergarten.

Nun ist es also nicht mehr zu leugnen: mein Sohn ist Fußball-besessen…

Gekrönt wurde diese Tatsache, als mein Sohn neulich abends zu mir sagte, dass er ab jetzt bitte Manuel Neuer genannt werden möchte. Für immer. Na gut…
Zum Glück ist „für immer“ bei Kindern ja ein relativ kurzer Zeitraum…

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Ein Kommentar zu „Jungs und Fußball…

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