Alles zu seiner Zeit

Noch vor zwei Wochen habe ich mit meiner Tochter über das Thema Schwimmen lernen gesprochen. Sie wird bald 5 und könnte in den Schwimmkurs gehen. Schwimmen lernen halte ich für extrem wichtig und deshalb wäre es mir sehr recht, wenn sie es bald lernen würde. Ihrer Meinung nach könnte sie aber gut und gerne noch ein paar Jahre mit Schwimmflügeln schwimmen. Keine Lust auf Schwimmkurs…

Nun sind wir seit drei Tagen auf Mallorca und haben den Pool vor der Haustür. Und hast du nicht gesehen, hat die Maus ihre Schwimmflügel gegen den Schwimmgurt mit den fünf Styropor-Klötzchen getauscht, mit dem der große Bruder Schwimmen gelernt hat. Schon am zweiten Tag hat sie die Klötzchen auf drei reduziert und schwimmt mit 1a Schwimmbewegungen durch den Pool. Und das, ohne dass wir Eltern sie dazu hätten überreden müssen! Einfach von selbst. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nach den zwei Wochen Urlaub Schwimmen gelernt hat.

Das hat mir mal wieder gezeigt, dass Kinder den Zeitpunkt selbst festlegen, wann sie etwas lernen möchten. Wenn wir Eltern den Zeitpunkt festlegen, weil wir meinen, es sei jetzt an der Zeit, weil x und y das auch schon können oder wir selbst als Kind es in diesem Alter schon konnten, dann kann es zwar klappen, ist aber vermutlich mit mehr Gegenwehr, Unwille und Stress verbunden.

Wenn wir den Kindern selbst überlassen, wann der richtige Zeitpunkt ist, dann ist es für alle mit ziemlicher Sicherheit deutlich entspannter. Ähnliche Erfahrungen habe ich bei den Themen Beikost, Trocken werden oder Fahrradfahren bei meinen beiden erlebt. Und man lernt ja selbst auch aus den Erfahrungen bei den Erstgeborenen.

Was haben wir für ein Terz gemacht, meinem Sohn die Windel abzugewöhnen! Wir haben überredet, Belohnungen angekündigt, diskutiert, gedroht… Und das mit einem gerade Dreijährigen!

Sicher, es mag Kinder geben, die brauchen den Anstoß der Eltern, um den nächsten Entwicklungsschritt zu nehmen. Andere Kinder hingegen schauen sich von selbst Dinge ab, ohne dass die Eltern hier proaktiv mitwirken müssen. Und zu welcher Kategorie das eigene Kind gehört, merkt man auch nicht von Anfang an. Aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass eine gehörige Portion Entspanntheit allen Beteiligten gut tut.

Die Kinder immer wieder zu etwas zu ermutigen, mal behutsam versuchen das Kind zu überreden, sich etwas zu trauen oder einfach mal gemeinsam den Versuch zu wagen, ist sicher nicht falsch. Aber es sollte nicht mit Zwang oder Stress verbunden sein.

Und an dieser Stelle sollte man sich mal  wieder ins Gedächtnis rufen, dass jedes Kind anders ist. Darüber habe ich hier schon mal geschrieben. Wenn die große Schwester schon mit zweieinhalb trocken ist, dann bedeutet das noch lange nicht, dass der kleine Bruder es auch mit zweieinhalb schafft. Diese Annahme kann einem unzählige vollgepieselte Hosen und Betten bescheren. Das kann man sich getrost einige Monate ersparen, bis der Sprössling reif dazu ist.

In diesem Sinne… entspannt euch, irgendwann lernen sie es alle…

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3 Kommentare zu „Alles zu seiner Zeit

  1. Liebe Andrea,
    Das hast du so schön beschrieben und interessant zu sehen, dass es sich wie ein roter Faden durch die Kindheit zieht! Ich finde es besonders schwierig dem Kind diese Zeit zu geben, wenn man als Elternteil vom ganzen Umfeld immer wieder darauf hingewiesen wird, dass es höchste Zeit für den Schritt ist!
    Liebe Grüße
    Katja

    Gefällt 1 Person

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