Es gibt so Tage…

… an denen stehen Kinder einfach mit dem falschen Fuß auf. An denen ist die Stimmung von der ersten Minute an unterirdisch gruselig und zum Abgewöhnen.

Gestern war so ein Tag.

Und im Grunde genommen kam er mit Ansage, denn meine Tochter konnte am Abend vorher schon nicht gut einschlafen und fand erst gegen halb 10 den Weg in die Welt der Träume. Mit dem Ergebnis, dass sie gestern Morgen gegen 7 Uhr natürlich NICHT ausgeschlafen war.

Ich gehe also morgens ins Zimmer, sage leise und freundlich „Guten Morgen“ und mache den Rollladen etwas hoch.

Darauf meine Tochter: „Uäääää! Zu hell! Mach den Rollladen wieder runter!“

Prima! Die hat ja eine super Laune, denke ich mir. Daraufhin wünsche ich ihr nochmal einen Guten Morgen und teile ihr freundlich mit, dass das Frühstück fertig sei.

5 Minuten später gehe ich wieder in ihr Zimmer. Sie liegt immer noch im Bett und grummelt vor sich hin.

„Soll ich dich auf dem Arm zum Frühstückstisch tragen?“ frage ich sie.

Ich vernehme zustimmendes Gemurmel, sie wälzt sich in meine Richtung und ihr trage sie zum Esstisch, wo sie sich auf ihrem Stuhl zusammenrollt und irgendwas von „noch sooo müde“ murmelt.

„Was möchtest du essen, Maus?“

„Nichts, hab keinen Hunger…“

Wir anderen drei kauen schon an unseren Broten und unterhalten uns über den heutigen Tag.

„Möchtest du jetzt was essen?“

„Hmmm, weiß nich…“

„Das Frühstück ist gleich vorbei. Du solltest dich langsam entscheiden. Möchtest du ein Brot oder vielleicht ein Müsli?“

„ICH. WEISS. ES. NOCH. NICHT.“

„Das solltest du aber, denn wir sind schon fast fertig.“

„Grmmmpf.“

Kurze Zeit später beginne ich, den Tisch abzuräumen.

„MAMA, ICH HABE NOCH HUNGER!“

„Und was willst du essen?“ Frage ich genervt.

… Gegrummel …

Ich räume den Tisch fertig ab. Die Männer gehen sich derweil anziehen. Madame sitzt immer noch jammernd am Esstisch, während ich die Spülmaschine anschmeiße und das Vesper für die Frühstückspause im Kindergarten packe.

„Maus, soll ich dir dann mehr zu Essen einpacken?“ frage ich.

„Nein, ich habe jetzt Hunger! Ich kann nicht so lange warten!“

„Und warum hast du dann beim Frühstück nichts gegessen? Jetzt ist das Frühstück vorbei…“

„Weil ich mich nicht entscheiden konnte…“

„Schau mal, hier ist noch eine Scheibe Brot, die kannst du essen wenn du Hunger hast.“

„Nee, will ich nicht!“

„Dann geh dich jetzt bitte anziehen. Ich mach mich jetzt auch fertig. In 10 Minuten gehen wir los!“

Während ich mich also fertig anziehe, mir die Zähne putze und mich schminke, schlurft die junge Dame in ihr Zimmer. Ich vermute mal stark, dass sie sich NICHT anzieht.

„Bist du schon angezogen, Maus?“

„Nein, du sollst mir helfen!“

„Du wirst bald 5 Jahre alt. Du kannst dich schon selbst anziehen. Außerdem muss ich mich selbst fertig machen.“ Ich werde langsam ungehalten.

Als ich kurze Zeit später in ihr Zimmer schaue, liegt sie auf dem Boden – immer noch im Schlafanzug.
Ich werde lauter.

„Zieh dich jetzt an, sonst nehm ich dich im Schlafanzug mit.“

„Ich kann mich nicht anziehen, weil ich noch Hunger habe!“ schreit sie.

„So ein Quatsch. Wenn ich gleich wiederkomme bist du angezogen!“

Mein Sohn steht schon fertig angezogen im Bad, putzt sich die Zähne und geht dann noch etwas spielen.
Ihr ahnt bestimmt, wie es bei der jungen Dame weitergeht. Mit viel Gezanke schafft sie es immerhin, sich den Schlafanzug auszuziehen. Mein Sohn und ich wären dann fertig zum Losgehen, während meine Tochter immer noch nackt vor ihrem Schrank sitzt und nicht weiß, was sie anziehen soll. Ich mache ihr einen Vorschlag, den sie selbstverständlich ablehnt.

„Ich geh jetzt, entweder ziehst du dir sofort etwas an oder ich nehm dich nackig mit!“

„NEEEEIIIIIIINNNNNNN!!!!!!!“ Ein nackiges, heulendes Häufchen Elend hängt bei mir am Bein. „MAAAAMMMAAAAAAA!!!!!“

Ich zieh ihr so schnell ich kann, eine Unterhose, eine Strumpfhose und ein Kleid an – unter Protest natürlich – und ziehe sie Richtung Ausgang.

„Bitte hör jetzt auf zu heulen und komm mit. Wir kommen eh schon zu spät!“

„Ich kann nicht aufhören, wenn du mich nicht tröstest!“

Ich wüsste zwar nicht, warum ich das Kind trösten sollte, schließlich hat ihr niemand etwas getan. Aber ich weiß auch, dass sie es jetzt dringend nötig hat, in den Arm genommen zu werden. Ich schlucke meine Wut herunter, setze mich hin und nehm sie auf den Schoß. Ich erkläre ich nochmal, was gerade alles schief gegangen ist und wir beschließen gemeinsam, dass der nächste Morgen anders verlaufen soll.

Noch immer leise wimmernd geht sie dann mit uns zum Auto. Auf dem Weg dahin schnappt sie sich noch die Scheibe Brot…

Im Kindergarten angekommen, bittet sie noch darum, dass ich noch etwas bleiben soll. OK, sag ich ihr. Ich komme ja ohnehin schon zu spät, auf die paar Minuten kommt es nun auch nicht mehr an. Glücklicherweise beginnt gerade eine Erzieherin einem anderen Kind ein Buch vorzulesen und meine Tochter gesellt sich dazu. Ich kann mich ganz normal von ihr verabschieden und mache mich auf den Weg in die Arbeit.

Puh! Dieser Morgen hat mich ganz schön Nerven gekostet…

 

Einen Tag später – heute Morgen also – bietet sich mir dieses Bild:

Ich decke gegen 7 Uhr den Frühstückstisch und wer kommt mir da freudestrahlend entgegen? Mein Töchterlein!

„Na, wer hat denn da so gute Laune?“

„ICH!“

Gemeinsam sitzen wir am Frühstückstisch, meine Tochter bittet höflich darum, dass ich ihr ein Marmeladenbrot schmiere und wir unterhalten uns fröhlich. Anschließend hüpft sie in ihre Zimmer, fragt noch, ob es heute wieder warm wird und zieht sich ganz alleine an. Kurze Zeit später erscheint sie bei mir im Bad:

„Mama, ich bin schon fertig! Jetzt putze ich nur noch meine Zähne und dann kann ich ja noch spielen, bis du fertig bist, oder?“

„Ja, Süße!“

 

Ach ja, wenn es doch nur jedem Morgen bei uns so harmonisch zugehen würde? Aber dann wüsste ich solche schönen Tage sicher nicht so zu schätzen…

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Ein Kommentar zu „Es gibt so Tage…

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