Erstens kommt es anders…

Da macht man sich einen Plan. Man überlegt vorher, was alles organisiert werden muss, damit alles reibungslos funktioniert. Man trifft Vorbereitungen und geht ganz einfach davon aus, dass dann auch alles so funktioniert, wie man es sich schon Monate vorher ausgemalt hat.

Und dann? Dann stellt man fest, dass man die Rechnung ohne das Kind gemacht hat. Denn Kinder sind Individuen, die man nicht steuern kann, so wie es einem am besten passt.

So geschehen in den ersten Schultagen meines Sohnes. Wer hier schon eine Weile liest, weiß, dass ich eine Working Mom bin. Ich arbeite derzeit 30 Stunden pro Woche. Und in den letzten Jahren habe ich die Kinderbetreuung minutiös so geplant, dass ich diese 30 Stunden arbeiten kann. Montags und freitags arbeite ich bis mittags, dienstags hat zuletzt eine Kinderfrau meine beiden Kinder mittags betreut und sie dann wieder in den Kindergarten mit old school Öffnungszeiten gebracht, mittwochs und donnerstags hat die Oma die Kinder nachmittags betreut. So konnte ich drei Nachmittage lange arbeiten.

Und nun hat also die Schule angefangen. 12:15 Uhr Schulschluss ist für mich montags und freitags schwer zu realisieren. Dienstagnachmittags arbeite ich ja bis um 17 Uhr. Was liegt da näher, als für das Kind einen Hortplatz zu buchen, bei dem es in den Zeiten betreut wird, in denen ich arbeite.

Einige Tage vor Schulbeginn haben wir schon im Hort mal „geschnuppert“, damit mein Sohn schon mal sieht, was es dort alles Tolles zu spielen und zu erleben gibt. Verhaltene Vorfreude…

Dann wurde es ernst. Erster Schultag. Mein Sohn wurde nach der letzten Stunde von den Hortbetreuern direkt vom Klassenzimmer abgeholt, dann ging es in die Mensa zum Mittagessen und anschließend auf den Schulhof zum Spielen.
Als ich um 14 Uhr zum Abholen kam, hat mich eine Betreuerin schon informiert, dass mein Sohn einen schwierigen Start hatte, nichts gegessen und auch geweint hatte. Er empfing mich dann mit den Worten, er wolle kein Hort-Kind mehr sein.

Am zweiten Tag hatte ich dann versprochen, dass er nicht bis 17 Uhr bleiben muss, sondern dass ich ihn wieder um 14 Uhr abholen würde. Aber ich merkte schon, dass er nicht in den Hort gehen will. Als ich ihn abholte, hatte er schon wieder Tränen in den Augen, er hatte wieder nichts gegessen. Ich merkte, dass ihm der Hort nicht gut tat. Dass die ganzen Veränderungen zu viel für ihn waren. Die Schule machte ihm Spaß, auch der Schulweg mit seinen Freunden, macht ihm nichts aus. Selbst die Hausaufgaben liefen problemlos. Aber wenn ich auf das Thema Hort zu sprechen kam, erklärte er mit immer wieder, dass er nicht mehr dahin gehen will.

Ich erklärte ihm natürlich, warum er in den Hort gehen sollte: damit ich arbeiten kann.

Am dritten Tag – dem Oma-Tag – kam dann ein Anruf von seiner Lehrerin, dass er schon in der letzten Schulstunde angefangen hat zu weinen, weil er nicht in den Hort gehen will. Meine Mutter hat ihn also sofort abgeholt. Und da war für mich klar, wir brauchen ganz dringend eine Hort-Pause.

Ich redete mit meinen Chef, dass ich in den nächsten Tagen früher aus der Arbeit gehen müsse. Zum Glück hatte er Verständnis und ich arbeitete nachmittags von zu Hause aus so gut es ging.

Mein Sohn war froh, dass er nach der Schule gleich mit seinen Freunden nach Hause gehen konnte. Ich habe Mittagessen gemacht, meine Kleine vom Kindergarten abgeholt, dann wurden Hausaufgaben gemacht und anschließend gespielt. Ich habe versucht parallel zu arbeiten.

Nach ein paar Tagen redete ich mit meinem Sohn über das Thema Hort und ob er es nochmal versuchen möchte, immerhin geht ab Oktober ein weiteres Kind aus seiner Klasse auch in den Hort. Aber ich merkte schnell, dass es ihm große Sorge bereitete, wieder in den Hort gehen zu müssen.

Was also tun?

Hier zeigt sich mal wieder ganz deutlich, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schnell an ihre Grenzen stößt, wenn etwas nicht planmäßig verläuft…
Und wenn eine gezwungene Vereinbarkeit zulasten eines Familienmitglieds -besonders eines Kindes – geht, setze ich ganz klare Prioritäten. Zugunsten der Familie.

Im Gespräch mit der Hort-Leitung wurde mir das nochmal ganz deutlich bewusst. Sie erzählte mir, dass viele Kinder in den Hort gehen müssten, weil die Eltern darauf angewiesen sind. Und sie ist froh um jedes Kind, das nicht in den Hort gezwungen wird, wenn es sich dort nicht wohl fühlt.

Also MUSS ich es hingekommen, dass ich meine Arbeit an die Bedürfnisse meines Sohnes anpasse. Und ich bin mir sicher, dass ich das irgendwie schaffe. Entweder, indem ich mehr von zu Hause aus arbeite, oder indem ich meine Stunden reduzieren, was ich mir ohnehin schon überlegt hatte.

Ich schaue jetzt in den nächsten Wochen, wie es so funktioniert mit der neuen Situation. Und dann sehe ich weiter…

Aber das Wohlergehen meines Sohnes steht dabei an erster Stelle. Und ich bin heilfroh, dass ich nicht darauf angewiesen bin, dass er in den Hort gehen muss.

 

Mehr zum Thema Vereinbarkeit lest ihr hier und hier und hier.

 

 

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