Ein Schritt in die richtige Richtung…?!

Du bekommst Kinder, du bist in Elternzeit… anfangs kannst du dir nicht vorstellen, jemals wieder zu arbeiten, weil dich das Leben mit Kind so komplett vereinnahmt und dich zugleich so erfüllt. Du genießt die Zeit mit deinem Baby in vollen Zügen.
Doch irgendwann geht es dir vielleicht wie mir. Dein Zwerg geht mit einem Jahr in die Krippe und du hast das erste Mal wieder mehr Zeit für dich. Bald wird es zu viel Zeit und es beginnt etwas langweilig zu werden. Du vermisst die intellektuelle Herausforderung oder du willst endlich wieder produktiv sein neben Brei kochen, Windeln wechseln und Spielplatzgesprächen.

Der Wiedereinstieg in den Job ist irgendwann die logische Konsequenz. Zunächst nur mit wenigen Stunden, dann traust du dir auch mehr zu und plötzlich wird das Ganze auch wieder stressig. Denn du hetzt vom Job zur Kita, von der Kita zum Einkaufen, du versuchst irgendwie den Haushalt zu schmeißen und trotzdem für dein Kind da zu sein. Du fehlst im Job, wenn dein Kind krank ist. Bist nicht bei deinem Kind, wenn ein wichtiger Termin ansteht. Du wirst weder deinem Kind noch deinem Job wirklich so gerecht, wie du es dir wünscht. Am liebsten möchtest du alles 100 % machen, kannst dich aber nicht zweiteilen.

Bei mir ging es dann so weit, dass mir eine Beförderung angeboten wurde. MIR, einer Teilzeitmami, wird eine Gruppenleitung angeboten?! Ich müsste nur meine Stunden noch etwas aufstocken. Ich fühlte mich geschmeichelt und dachte mir, wenn es mit 25 Stunden klappt, dann klappt es auch mit 30 Stunden. Alles eine Frage der Organisation, mit Putzfrau und Nanny und Oma und Freunden, die alle mit anpacken.

Ein logistisches Gesamtkunstwerk entsteht. Irgendwie läuft es…

Was geht dabei in einem vor?
Ich fühlte mich gigantisch. War so stolz auf mich. Von wegen Familie und Beruf lässt sich nicht vereinbaren?! Pah! Ich schaffe das mit links und mach noch Karriere dabei! Und das mit zwei kleinen Kindern!

Es machte mir auch nichts aus, nachmittags am Laptop zu sitzen, während die Kinder im Sandkasten spielten. Oder abends auf dem Sofa noch Emails zu checken und Präsentationen auszuarbeiten.

Ich schwebte wie auf Wolken.

Doch irgendwann bröckelte dieses Konstrukt. Die Kinder waren krank und ich musste zu Hause bleiben. Der Haushalt blieb liegen. Meine To Do Liste wurde immer länger statt kürzer. Meine Hobbies lagen auf Eis. Keine Zeit mehr für Familie, für Freunde, für mich…

Meine Unzufriedenheit wurde größer.

Doch was tun? Mehr Unterstützung organisieren? Oder weniger arbeiten?

Mit den Gedanken, meine Stunden wieder zu reduzieren, beschäftigte ich mich schon länger. Aber irgendetwas hat mich immer davon abgehalten, diesen Schritt wirklich zu gehen. Doch nach vielen Gesprächen und Gedankenspielen erkannte ich, was mich davon abhielt: Der Gedanke, dass das eine persönliche Niederlage wäre.
Denn ich selbst habe ja behauptet, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für mich kein Problem sei. Dass ich es locker schaffe, fast so viel zu arbeiten, wie ein „normaler, vollwertiger“ Arbeitnehmer und ich eben keine „Teilzeitmami“ bin.

Aber zu welchem Preis das alles?

Ist mir meine berufliche Selbstverwirklichung wichtiger als Zeit mit meinen Kinder zu verbringen? Zeit für mich, meine Beziehung, meine Freunde und meine Hobbies zu haben? Meinen persönlichen Ansprüchen an ein geordnetes Zuhause gerecht zu werden? Ein gesundes Stresslevel? Sich mit schönen Dingen zu beschäftigen…

Kann ich nicht auch stolz auf mich sein, für das was ich für meine Familie leiste?

Doch! Genau das kann ich! Das habe ich jetzt erkannt. Ich muss niemandem etwas beweisen. Weniger zu arbeiten ist für mich also kein Rückschritt sondern ein Fortschritt!

Ich habe in den letzten Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Von „zu viel Zeit für mich“ bis „zu wenig Zeit für alles“. Es ist die goldene Mitte, die der richtige Weg für mich ist.
Und deshalb bin ich mir sicher, dass ich die richtige Richtung einschlage, wenn ich weniger arbeite.

Und ihr ahnt nicht, wie sehr ich mich auf die gewonnene Zeit freue…
 

 

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