Diese Phasen…

Einer der Standardsätze unter Eltern ist ja: „Das ist nur ein Phase.“ Ich habe nicht gezählt, wie viele Phasen ich mit meinen Kindern schon überstanden habe, aber es waren viele.

Wenn man mittendrin steckt, ist es die Hölle. Dann verpasst man irgendwie das Ende der Phase, um sich freuen zu können, dass sie vorbei ist und schwupps… schon steckt man in der nächsten.

Auch ich habe das Eltern-Standardwerk „Oje, ich wachse“ gelesen. Darin wird erklärt, welche Entwicklungsschritte die Kinder in den ersten Monaten durchmachen, was in ihren kleinen Körpern und Köpfen alles passiert und dass sie in dieser Zeit dann entsprechend anstrengend sein können. Das ist alles total normal und alle Kinder haben natürlich mal ihre Launen. Mal mehr, mal weniger. Manche Kinder meistern ihre Entwicklungsschritte elternschonend, manche eben nicht.

Meine Kleine macht gerade wieder eine Phase durch. Nun ist sie aber schon fünf. Und über Fünfjährige steht in dem Buch leider nichts drin. Letztendlich ist es ja auch egal, welche Phase das jetzt gerade ist. Sie ist nun mal da und geht irgendwann auch wieder vorbei. Und die Kinder gehen reifer und meist gestärkt aus ihnen hervor.

Unsere Aufgabe als Eltern ist es dann, die Kinder mit viel Ruhe, Geduld und Liebe durch diese Phasen zu begleiten.

Ha! Wenn’s doch nur so einfach wäre…

Unsere aktuelle Phase äußert sich dadurch, dass meine Tochter beim kleinsten Problem (z.B. Hose passt nicht in die Stiefel, nasse Haare machen nach dem Baden den Rücken kalt, beim Basteln daneben geschnitten…) einen Schreianfall bekommt.
Und zwar so extrem, dass jegliche Kommunikation unmöglich ist. Keine Erklärung dringt an ihr Ohr, kein Vorschlag wird realisiert. Es wird einfach nur geheult und geschrien. Selbst wenn der Schreianfall kurz unterbrochen ist, wird jedes auch noch so versöhnliche und entgegenkommende Argument per se abgelehnt. Ignorieren hilft nicht, zurück schreien noch viel weniger…

Diese Phase zehrt einfach unglaublich an meinen Nerven.

Meine Kleine steckt dann fest in einer Sackgasse, aus der sie nicht mehr raus kommt. Und leider verliere ich dann auch nur allzu oft die Geduld, denn egal was ich auch mache, auch ich kann sie nicht aus dieser Situation holen.
Irgendwann ist sie dann nur noch ein Häufchen Elend und dann endlich kann ich sie trösten und mit ihr reden. Und dann finden wir meistens doch noch einen Weg zurück in normales Fahrwasser.

Und mit ihren fünf Jahren erklärt sie mir dann, dass sie ja gar nicht so schreien wollte. Aber dass sie gar nicht aufhören konnte. Und dann tut mir dieses kleine Mädchen, das mich kurz vorher schier zur Weißglut gebracht hat, so unendlich leid…

Ich versuche nun mein armes Phasen-Kind jedes Mal, wenn ein Zornanfall kommt, so behutsam, wie es mir in dem Moment möglich ist, zu begleiten. Sie toben zu lassen, wenn sie toben muss. Und sie in den Arm zu nehmen, wenn sie den Trost ihrer Mama braucht. Oft fällt es mir aber extrem schwer, die Ruhe zu bewahren. Irgendwie ist es aber auch für mich lehrreich, diese Situationen mit einem anderen Bewusstsein zu meistern. Früher war ich dann einfach nur sauer und wütend auf mein Kind. Jetzt weiß ich, dass sie es in diesem Moment nicht so meint, sondern ihr einfach noch die Reife fehlt, sich in diesen für sie so schwierigen Situationen „erwachsener“ zu verhalten.

Ich wünsche ihr und uns und allen anderen die gerade in so schwierigen Phasen stecken, dass sie bald überstanden sind. Und dass wir das Ende der Phase auch erkennen, um die ruhigen, entspannteren Zeiten besser genießen zu können.

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