Kampf gegen die Langeweile

Ich erinnere mich, dass mir als Kind oft langweilig war. Ich wusste oft nichts mit mir anzufangen. Bis sich aus der Langeweile dann irgendetwas entwickelt hat. Eine Idee, ein neues Spiel, eine Bastelei, die mich dann oft stundenlang beschäftigt hat.

Langeweile macht also kreativ. Deshalb habe ich auch bei meinen Kindern versucht, sie nicht ununterbrochen zu bespielen. Sie sollten lernen, sich selbst zu beschäftigen. Selbst kreativ zu werden und sich mit den Dingen zu beschäftigen, die für sie und nicht für mich interessant sind.

Jetzt stelle ich mal wieder fest, dass meine beiden Kinder auch in Sachen Langeweile-Bekämpfung total unterschiedlich sind. So langweilt sich mein Großer (7 Jahre) zum Beispiel selten. Er kann eigentlich immer Lego spielen. Und er hat viele Freunde bei uns in der Nachbarschaft, mit denen er sich draußen trifft zum Fahrradfahren, Fußball spielen oder Abenteuer erleben. Er kommt nur selten zu mir, weil er möchte, dass ich mich mit ihm beschäftige. Im Gegenteil: möchte ich mit den Kindern etwas unternehmen, möchte er viel lieber das weitermachen, was er gerade tut.

Meine Kleine (5 1/2 Jahre alt) ist da ganz anders gestrickt. Der Klassiker-Spruch bei ihr, wenn wir zum Beispiel nach dem Kindergarten zur Tür rein kommen, lautet: „Mama, mir ist sooo langweilig, darf ich Handyschauen?“
Sie war noch nicht mal in ihrem Zimmer, um zu schauen, welche Spielsachen dort auf sie warten! Sie steht eher auch den Konsum von leicht verdaulichem, kindgerechten Input wie Fernsehen oder YouTube-Filmchen schauen.

Nun ist es bei uns aber so, dass der Medienkonsum reglementiert ist. Maximal eine halbe Stunde täglich dürfen die Kinder in irgendein viereckiges Gerät schauen. Das ist aus Sicht meiner Tochter natürlich viiiel zu wenig und deshalb gibt es auch immer wieder Streit und Diskussionen bei diesem Thema.

Die Alternative ist dann für sie, dass ich mich mit ihr beschäftige soll. Das mache ich natürlich auch gerne, leider habe ich aber nicht immer Zeit dazu. Außerdem möchte ich, dass sie selbst auf Ideen kommt, was sie spielen möchte.
Auf Vorschläge, was sie alleine spielen, basteln oder lesen könnte, hat sie meistens keine Lust. Sie möchte lieber berieselt werden.

Zum Glück gibt es aber auch immer wieder Momente, in denen sie ganz versunken ist in ihr Spiel oder in denen sie allein oder mit ihrem großen Bruder in tolle Phantasiewelten abtaucht mit Puppen, Playmobil, Kuscheltieren, Autos oder allem zusammen.

In diesen Momenten beobachte ich sie heimlich und freue mich an ihrer Freude. Dann verhalte ich mich ganz still, um sie nicht aus ihrer Welt zu reißen.

Aber wie schafft man es, die kindliche Kreativität anzuregen, falls die Langeweile mal wieder Einzug gehalten hat?
Hier einige Tipps, die zumindest bei uns hin und wieder ganz gut funktionieren.

  • Ausflüge unternehmen

Ich gebe zu, dass ich mich selbst oft vor Ausflügen unter der Woche drücke, weil ich sehe, was noch alles im Haushalt zu erledigen ist. Aber raus an die frische Luft in die Parks, Spielplätze und Wälder ist einfach das beste Mittel gegen Langeweile! Denn draußen gibt es immer was zu entdecken und die Neugierde und der Bewegungsdrang sind wie auf Knopfdruck da! Und mit einem kleinen Picknick macht das Ganze für alle nochmal so viel Spaß! (Und der Haushalt läuft ja nicht weg ;o)

  • Ordnung im Kinderzimmer

Ich habe festgestellt, dass die Kinder viel lieber mit ihren Spielsachen spielen, wenn das Zimmer aufgeräumt ist. Selbst aufräumen ist natürlich blöd. Muss aber trotzdem sein. Manchmal überrasche ich sie aber mit einem aufgeräumten, neu sortierten Zimmer, in dem ich auch mal Spielsachen, die schon lange nicht mehr bespielt wurden, in die erste Reihe räume.

  • Interessante Materialien zum Basteln

Auf Pinterest findet man unendlich viele Ideen, was man mit Kindern alles Basteln kann. Hier kann man sich wunderbar inspirieren lassen. Ich habe dann einige neue Bastelutensilien besorgt, die ich bei drohender Langeweile einfach mal auf den Tisch lege.
Mit einfachen Anregungen können die Kinder dann selbst kreativ werden und sie gestalten tolle Dinge.
Beispielsweise habe ich über einige Wochen heimlich Klopapier und Küchenrollen gesammelt, die demnächst vielleicht mal so eine tolle Murmelbahn ergeben:

  • Freunde einladen

Es ist jedes Mal wieder erstaunlich, wie toll Kinder mit anderen Kindern spielen. Kaum ist ein Freund oder eine Freundin bei uns zu Besuch, tauchen die Kinder ein in ihre Spielephantasien. Deshalb verabreden sich meine beiden total gerne und sind oft enttäuscht, wenn an einem Tag mal keiner Zeit hat.

  • Kleine Bestechungen

„Wenn du jetzt was in deinem Zimmer spielst solange ich das hier fertig machen, dann lese ich dir anschließend etwas vor.“
Win-Win-Situation: Das Kind ist motiviert, sich selbst zu beschäftigen, die Mama kann noch ihre Aufgabe fertig machen und anschließend haben beide wertvolle Quality-Time. Und nicht selten spielt das Kind dann doch ganz vertieft länger als erwartet…

Und seien wir mal ehrlich: Erziehung ohne kleine Bestechungen funktioniert doch eh nicht…

 

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